Szenische Lesung ‘Seestern in Südtirol’

Sonntag, 1. Dezember 2019, 20:30 Uhr Kulturzentrum Pavillon

Szenische Lesung ‘Seestern in Südtirol‘ von Antonio Umberto Riccò – Regie von Willi Schlüter und Kay Szacknys – Musik von Mark Eichenseher – Mit Sprecher*innen des Spielkreis-Theater der Matthias-Kirche Hannover: Sigrid Jahnel, Liane Sickel und Michael Wöstefeld. Ein Projekt der AG Lampedusa-Hannover in Zusammenarbeit mit dem Theater in der List und dem Spielkreis-Theater der Matthias-Kirche Hannover.

Zum Inhalt: Ein 14-Jähriger wird auf der Brennerautobahn aufgegriffen. Gerade hat er Stunden der Angst hinter sich. Von Venedig bis Südtirol lag er unter einem Lkw, angebunden auf einer Achse.
Drei Zeugen erzählen seine Geschichte. Ihre Meinungen spiegeln unsere Gesellschaft wider: Zweifel und Vorurteile, Angst vor dem Fremden bis zur offenen Ablehnung wechseln sich mit Solidarität und Unterstützung ab.
Eine wahre, berührende Geschichte.

Gegen den türkischen Angriffskrieg in Nord-Syrien – Solidarität mit Rojava

Das Friedensbüro unterstützt den Aufruf zur bundesweiten Demonstration am 19. Oktober 2019 in Köln ab 11 Uhr

Rojava verteidigen bedeutet auch, die Welt von morgen zu retten. Erdogans Angriff ist ein Angriff auf uns alle.
Wir fordern:
• Stopp des Angriffskriegs der Türkei in Nordsyrien.
• Stopp der deutschen Waffenlieferungen an die Türkei.
• Stopp der wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit mit der Türkei
• Eine friedliche Lösung des Krieges in Syrien mit Beteiligung der kurdischen Akteure und Autonomie Nord-Syriens.
In Nord-Syrien, besser bekannt als Rojava, ist in den letzten Jahren ein einzigartiges multiethnisches und multireligiöses demokratisches Projekt herangewachsen. Es gewährleistet das friedliche Zusammenleben von Millionen Kurdinnen, Araberinnen und Christinnen. Umgeben von Ländern die die Frau unterdrücken wurde in Rojava eine Gesellschaft entwickelt, die die Gleichberechtigung von Mann und Frau umsetzt. Seit 2012 wurden hier wieder vom Krieg zerstörte Städte und Dörfer wiederaufgebaut, die Zivilgesellschaft konnte sich trotz Krieg in Syrien neu entwickeln. Die Demokratische Föderation Nordostsyriens (Rojava) steht beispielhaft für die Vision eines friedlichen und demokratischen Mittleren Ostens. Das soll jetzt zerstört werden. Die Ankündigung der USA unter Trump die US-Armee zurückzuziehen ermöglichte erst den Angriff der Türkei. Die türkische Armee begeht Kriegsverbrechen in dem sie aktuell zivile Infrastruktur bombardiert, wie Krankenhäuser, die Wasserversorgung, die Stromzufuhr sowie gezielt Zivilistinnen angreift. Mit diesem Krieg droht der IS erneut zu einer Gefahr zu werden – nicht nur für Rojava, auch für Europa. Es waren die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) und die lokalen Selbstverteidigungskräfte (YPG und YPJ) aus Rojava, die den IS und seinen Kalifatstaat besiegten. 11.000 von ihnen ließen dabei ihr Leben.
Erdogan und seinem gleichgeschalteten Staat geht es nicht um die Sicherung der Grenzen, sondern um die Vertreibung der Kurd*innen und der anderen Völker aus der Grenzregion und die Zerstörung der selbstverwalteten Region Rojava. Die geplante Einrichtung einer sogenannten „Schutzzone“ bedeutet eine ethnische Säuberung und Umsiedlungspolitik des Gebietes. Was das bedeutet sieht man im nordsyrischen Afrin, dass von der türkischen Armee letztes Jahr erobert wurde und in dem nun Willkür und Terror herrscht. Die völkerrechtswidrige Invasion und Besetzung weiterer kurdischer Gebiete in Syrien schaffen neue Flüchtlingsströme.
Mit der Drohung die Grenzen nach Europa für Flüchtlinge zu öffnen will Erdogan die Zustimmung der EU-Staaten zu diesem Krieg zu erzwingen. Es muss Aufgabe der EU und insbesondere Deutschlands sein, sich klar gegen den Krieg und jede weitere Eskalation zu stellen. Das weitgehende Stillschweigen der Regierungen der EU bedeutet Zustimmung zu diesem Krieg der Türkei. Wirtschaftliche Interessen und die mit dem Flüchtlingsabkommen geschaffene Abschottung gegen Geflüchtete sind ihnen wichtiger ihnen als Menschenrechte, Demokratie und Frieden.
Wir bekunden unsere Solidarität mit Rojava und fordern das sofortige Ende des Krieges durch die Türkei sowie den Rückzug der türkischen Armee. Es geht um die Erhaltung von Gleichberechtigung, friedlichem Zusammenleben und Weiterentwicklung von Ökologie und Demokratie in der Region. Das geht uns alle an. Verteidigen wir die Werte Rojavas, lassen wir die dortigen Menschen nicht allein, es geht auch um unsere Zukunft.

Wer den Aufruf unterstützen will, schickt bitte Namen + Funktion an folgende Emailadresse:  solidaritaetmitrojava@gmail.com

FRIDAYS FOR FUTURE – Krieg ist der größte Klimakiller

Am Freitag, bevor in Hannover überhaupt soooo viele Menschen – zwischen 30.00 und 40.000! – für die Zukunft des Planeten auf die Straße gingen, waren es ‚down under‘, also in Australien, bereits jeweils 100.000 Menschen in Melbourne und Sidney auf der Straße, und ‚rekordbrechende Massen‘ in vielen anderen Städten Australiens. Und so ging das rund um die Welt weiter.

Wir vom Friedensbüro und der DFG-VK waren auch dabei und betreuten mit ‚XR‘ (extinction rebellion) den Finger vom Küchengarten aus. Wir haben intensiv dazu beigetragen, dass die Rolle von Krieg, Militär und Gewalt als eine wesentliche Ursache für die Klimakatastrophe mit in die Diskussion und hoffentlich auch in  weitere Diskussionen und Aktivitäten mit eingeht.
Hier der Text unseres Flyers:

Für eine bewohnbare und lebenswerte Welt –
gegen Klimakollaps und Kriegsverwüstung

Uns Alle beschäftigt die Furcht vor den Auswirkungen des Klimawandels. Die Vorstellung einer Erde, auf der man nicht mehr leben kann, ängstigt uns.

Wir, als Teil der Bewegung für einen weltweiten Frieden, meinen, dass Aufrüstung und Kriegsgefahr im Zusammenhang mit der Klima-diskussion mitgedacht werden müssen: Kriege, geführt um Macht, Einfluss und Profite, machen die Welt unbewohnbar – vor allem im Globalen Süden –; sie führen zu Tod, Not, Verzweiflung und Flucht.
Aufrüstung, Planung und Vorbereitung jeglichen Krieges, das gezielte Töten von Menschen sind verbrecherisch als Plan, als Drohung und erst recht in der tatsächlichen Umsetzung.
Sie verschleudern aber auch Ressourcen, vergiften Menschen und Umwelt und führen die Erde ökologisch in den Abgrund.

Dass im Krieg Menschen getötet werden, ist schlimm — und allgemein bekannt. Die Schäden, die militärische Aktionen an Pflanzen und Tieren, an den Böden und unserer Atemluft anrichten, sind jedoch noch kaum im Blick. Brände, Explosionen, Pulverdampf, entlaubte Wälder, verseuchte Gewässer, CO2-Ausstoß in unfassbaren Mengen — das ist die furchtbare Umweltbilanz der Kriege und schon der vorbereitenden Militärübungen. Man hört merkwürdig wenig darüber.
Und das Militär als einer der größten Umweltsünder wurde aus dem Kyoto-Protokoll gestrichen — auf Betreiben der NATO-Staaten.

Krieg ist einer der größten Klimakiller – zumindest der überflüssigste!

  • Krieg und Militär zerstören gezielt menschliches und anderes Leben, Infrastruktur, Kultur, besiedelte und naturbelassene Lebensräume.
  • Selbst ohne Kriegseinsatz gehört das Militär zu den größten Verbrauchern von Energie:
    – Ressourcenverbrauch bei der Herstellung von Rüstungsgütern
    – Versiegelung des Bodens für Militäranlagen und die Zerstörung der CO2– bindenden Vegetation.
    – Energieverbrauch durch militärische Übungen, Wartung, Reparatur und Unterbringung der „kostbaren“ Waffensysteme.
    – Energieverschwendung und Umweltbelastung durch Transporte von Menschen und Material durchs Militär (Militärfahrten und –flüge).
    – Mehr als die Hälfte der Hubschrauber der Welt sind für militärische Zwecke bestimmt und etwa 1/4 des Verbrauchs von Düsentreibstoffen entfällt auf Militärfahrzeuge.
  • Kerosin-Ablass, Löschschäume und Lösemittel verseuchen Böden.
    Tests von Atomwaffen „versorgten“ die Welt mit Plutonium mit einer Halbwertszeit von 25.000 Jahren. Panzerbrechende Munition mit abgereichertem Uran vergiftete ehemalige Kriegsregionen (Kosovo, Irak) dauerhaft. Die Rate von Krebserkrankungen stieg dort immens.
  • Herbizide führen noch heute, fast 50 Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs, zu Schäden bei ungeborenen Kindern.

Wir brauchen Wissenschaftler*innen und Ingenieur*innen, die sich mit der Verbesserung des Lebens beschäftigen statt mit der „Verbesserung“ der Tötungs-Maschinen.
Wir wollen nicht mehr Standorte, mehr Flugplätze, mehr trainierendes Militär, mehr fliegende Jets, mehr donnernde Militärkonvois und nicht mehr Finanzen fürs Militär! Diese Mittel brauchen wir zur Gestaltung der Klimawende.

Wir fordern als Teil weltweiter Bewegungen gegen Krieg und Gewalt:

  • Ein Ende von Kriegen auf der ganzen Welt.
  • Die Ächtung und Abschaffung von Atomwaffen.
  • Ein Nein zu deutschen und NATO-Kriegseinsätzen.
  • Den Stopp von Waffenexporten in alle Welt.

Wir wollen eine bewohnbare und lebenswerte Welt – für Alle!

Fridays for Future : Rede von Extinction Rebellion

Hallo Hannover!
Ich bin Maximilian Matthias. Ich bin Teil der Extinction Rebellion, Teil des
Aufstands gegen das Aussterben.
Normalerweise müsste ich mich freuen so viele Menschen sind hier, es
herrscht gute Laune. Heute ist der größte Klimastreik, den die Welt je
gesehen hat.
Ich wünsche mir oft, dass ich einfach keinen Plan von der Welt hätte. Nein
ganz im Ernst.
Die Regenwälder in Brasilien brennen im kriminellen Ausmaße. Die Staaten
sichern Brasilien Geld zur Bekämpfung der Brände zu, sind aber gleichzeitig
überzeugt von einem Freihandelsabkommen mit Brasilien, welches dieses
Problem nur weiter verschärft.
Die Stadt Hannover nimmt mit großem Verständnis die Forderungen der
Fridays for Future an, fördert aber gleichzeitig in Millionenhöhe die
Kreuzfahrtindustrie.
Die Landesregierung Niedersachsens, aber auch unsere Bundesregierung,
scheinen sich ganz groß um uns zu sorgen. Deswegen darf die Wirtschaft
nicht unter dem Klimaschutz leiden, die Bürgerinnen aber schon, indem sie tiefer in die Tasche greifen müssen. Dabei liegen die Lösungen schon auf den Tischen der Wirtschaftsexperten der Regierung Was die Regierungen hier tun, ist eine kollektive Verleugnung der Umweltkatastrophe. Wir stehen mit beiden Beinen tief in der Scheiße und diejenigen, die etwas tun können, nehmen das Problem nicht ernst. Was wir alle anerkennen müssen, und daran führt kein Weg vorbei , ist dass wir keine Zeit mehr haben. Wenn Parteien und Institutionen vom Erreichen der Klimaziele bis 2040 sprechen, haben sie klipp und klar die Forderungen vom IPCC, dem Weltklimarat, nicht verstanden. Wir sind jetzt schon am Anbeginn einer weltweiten Katastrophe, welche bald mehr Tote fordern wird als die letzten zwei blutigen Weltkriege.

Vor einem Monat bin ich das zweite Mal Onkel geworden. Wenn man in die Augen eines Babys sieht, dann bewegt sich in vielen von uns etwas. Ich hoffe, dass die Mütter und Väter unter euch mir da zustimmen können.können. Meine Oma nahm immer gerne meine Hände und sagte, „Was werden diese Hände in diesem Leben noch arbeiten müssen!“. Ich sage hier, „Was werden die Augen meiner Nichte in ihrem Leben noch Schlimmes sehen müssen!“ Sie sehen düsteren Zeiten entgegen. Die Menschheit befindet sich in einer Situation, wie es sie in unserer Geschichte noch nie zuvor gegeben hat. Eine Situation, eine Krise, die, wenn wir sie weiterhin ignorieren, alles zerstören wird, was uns lieb und teuer ist: unsere Heimat, unsere Mitmenschen, unsere Ökosysteme und die Zukunft unserer Kinder. Die Wissenschaft formuliert es unmissverständlich: Wir befinden uns mitten im sechsten Massenaussterben der Erdgeschichte! Wir steuern unaufhaltsam auf die Katastrophe zu, wenn wir nicht sofort und entschieden handeln. Weltweit wird die biologische Vielfalt vernichtet. Unsere Ozeane werden vergiftet, übersäuert – und der Meeresspiegel steigt. Überschwemmungen und Wüstenbildung werden riesige Landstriche unbewohnbar machen und Menschen werden millionenfach in die Flucht getrieben. Die Luft, die wir atmen, ist derart vergiftet, dass Luftverschmutzung weltweit bereits heute mehr Opfer fordert als Krieg und Hungersnöte, Malaria und HIV zusammen.und HIV zusammen. Sie schädigt bereits Ungeborene und verursacht den vorzeitigen Tod von Millionen von Menschen. Der Kollaps unseres Klimas hat begonnen: ausgedehnte Waldbrände, unberechenbare Stürme, Hungerkatastrophen und Dürreperioden werden zunehmen, während Nahrungsmittel und Süßwasser knapp werden. Der Kampf um die schwindenden Ressourcen führt zur weltweiten Ausbreitung von Konflikten. Kein vernunftbegabtes Wesen, das ein moralisches Gewissen besitzt ein moralisches Gewissen besitzt – sei es ethisch oder im Glauben fundiertsei es ethisch oder im Glauben fundiert –, kann die ökologischen Krisen, die diesen Planeten und seine Tier- und Pflanzenwelt heimsuchen, leugnen, ignorieren oder dem ganzen tatenlos zusehen. Im Einklang mit unseren Werten, aus Liebe zum Leben und in Übereinstimmung mit der überwältigenden wissenschaftlichen Beweislast erachten wir es als unsere Pflicht, zu handeln –– im Interesse der Sicherheit und des Wohlergehens unserer Kinder, der Vielfalt und Einzigartigkeit menschlichen Lebens und der Zukunft des Planeten Erde. Gestützt auf unser Gewissen und unsere Vernunft, erklären wir unseren Regierungen und ihren korrumpierten, untauglichen Institutionen, deren Versagen unsere Zukunft bedroht, die Rebellion! Den massenhaften, friedlichen Aufstand gegen das Aussterben – für das für das Leben! Unsere Regierungen haben, in Anbetracht ihrer vorsätzlichen Komplizenschaft mit denjenigen, die das Gemeinwohl zugunsten kurzfristiger individueller Gewinne opfern, unser Vertrauen verspielt. Wenn weder die gewählte Volksvertretung noch das Gesetz den angemessenen Schutz und das Wohlergehen der Bevölkerung gewährleisten können, liegt es in der Hand der Bürgerinnen, die notwendigen Veränderungen einzuleiten –– zur Abwendung der Katastrophe und für die Zukunft unserer Kinder. Dann ist es nicht nur unser Recht zu rebellieren, en, sondern unsere Pflicht. Wir rufen alle Bürgerinnen auf, sich gemeinsam mit sondern unsere Pflicht. Wir rufen alle Bürgerinnen auf, sich gemeinsam mit uns friedlich zu erheben.uns friedlich zu erheben. Wir fordern, gehört zu werden, um mit Unterstützung der Wissenschaft fundierte Lösungen für die Bewältigung der beispiellosen ökologischen Krisen fundierte Lösungen für die Bewältigung der beispiellosen ökologischen Krisen zu finden. Wir fordern, Bürgerinnenversammlungen einzuberufen, die die notwendigen Schritte erarbeiten, unseren gegenwärtigen, katastrophalen notwendigen Schritte erarbeiten, unseren gegenwärtigen, katastrophalen Kurs zu ändern.Kurs zu ändern. Wir weigern uns, zukünftigen Generationen einen sterbenden Planeten zu Wir weigern uns, zukünftigen Generationen einen sterbenden Planeten zu hinterlassen! Es ist Zeit zu handeln! WIR handeln! Wir können nicht anders! Wir handeln friedfertig und mit unbändiger Liebe in unseren Herzen. Wir handeln gewaltfrei, respektvoll und aus Liebe zu unseren Mitmenschen. Wir alle müssen handeln! Aus Liebe zu ALLEN Lebewesen –– die sich selbst nicht schützen können. Wir handeln aus Liebe zu unserer einzigen Heimat, handeln aus Liebe zum Planeten Erde! Wir handeln! Im Namen des Lebens!
Kommt deshalb ob in Gruppen oder alleine ab dem 07.Oktober nach Berlin. Ich fordere auf zum gewaltfreien Zivilen Ungehorsam!
Ich bin Maxim von der Extinction Rebellion. Dankeschön!

Informationen zur Gruppe “Extinction Rebellion unter dem Link
https://extinctionrebellion.de/og/hannover/

Fridays for Future: unser Redebeitrag

Zwischen 35.000 und 40.000 Menschen waren es in Hannover!

Hier unser Redebeitrag:

Liebe Freunde und Freundinnen, heute will die Regierung ihr Klimaschutzpaket vorlegen. Wir wissen schon jetzt, dass es bei weitem nicht reichen wird, um die Klimaziele von Paris zu erreichen.

Deshalb fordern wir von der Politik, mit allen Aktivist/Innen von Fridays for Future:

Beschließt endlich tiefgreifende und schnell wirkende Maßnahmen. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Ihr habt versprochen die Erderwärmung bis 2030 auf max. 1,5° zu halten um eine katastrophale Veränderung des Klimas zu stoppen. Das habt ihr zwar nicht der NATO versprochen, aber den Völkern der Erde. Da nehmen wir euch beim Wort.

Wir fordern Gesetze und eine gerechte Besteuerung jener Konzerne, die die größten Gewinne machen und dabei den gößten CO²-Ausstoß verursachen! Damit die Haupptlast nicht wieder der arbeitenden Bevölkerung aufgebürdet wird.

Trotz Jahrelanger Haushaltsüberschüsse, denn wir sind ja ein reiches Land, wurde unser Land kaputtgespart, das Schienennetz zugunsten des Autoverkehrs abgebaut u.v.m. Auch der Klimaschutz wird nicht gelingen, wenn Länder und Kommunen mit ihren Investitionen an den Grenzen der ‘schwarzen Null’ scheitern. Das unsinnige Spardiktat muss fallen. Wir haben nicht mehr die Zeit langfristige Prozesse abzuwarten. Den Menschen in der Lausitz und in NRW muss JETZT eine gute Perspektive gegeben werden, wenn in ein paar Jahren der Braunkohle-Abbau beendet wird. Es müssen JETZT die die alternativen Energieträger massiv gefördert werden!

Aber es wird nicht überall gespart: Neueste Panzer und Mehrzweckkampfschiffe sind im Bau, ein Ersatz für den Atombombenflieger Tornado ist geplant. Und in Militärmissionen an den Grenzen zu Russland und überall auf der Welt werden Mrd Steuergelder buchstäblich verpulvert und verbrannt. Sie schaffen nirgendwo Frieden oder Sicherheit für die Menschen! im Gegenteil, sie verlängern durch unsere Präsenz die Konflikte. Und sie sind ein Fass ohne Boden. Irgendwann wird dann zum Rückzug geblasen, aber bis dahin wurden kostbare Ressourcen verschwendet mit einer negativen CO²-Bilanz. Nur 1 Flugstunde des Eurofighters erzeugt etwa soviel CO² wie ein Normalverbraucher das ganze Jahr!

Liebe Freundinnen und Freunde! Die Stärkung und der Export von Rüstungsindustrie lässt sich mit Umwelt- und Klimaschutz nicht vereinbaren!Rheinmetall’ in Nds. ist einer der ganz großen Produzenten. Sie betreiben ihr Geschäft mit Tod und Umweltzerstörung weltweit und die Politik unterstützt das – in unserem Namen! Das dürfen wir nicht länger dulden!

Wir vom Friedensbüro, als Teil der internationalen Friedensbewegung, kämpfen seit Jahren gegen diese Politik, bisher erfolglos.

Aber eins haben uns die jungen Leute von Fridays for Future klargemacht: Kriege sind auch der größte Klimakiller.

Und wir haben gelernt: für den Klimaschutz werden Herz und Hände aller Menschen gebraucht. Deshalb sind wir heute mit Millionen Aktiver weltweit, jung und alt, gemeinsam auf der Straße.

Ab sofort muss gelten:

  • Nicht Wohlstand und Profit für wenige, sondern die Verhinderung einer Klimakatastrophe muss oberstes Gebot sein!
  • Keine Steigerung der Militärausgaben im Bundeshaushalt! Ein Ende der Aufrüstung auch in Europa, zugunsten nachhaltiger Klimaschutzprogramme. Da tragen wir alle Verantwortung.
  • Und: Unsere Wirtschaftsweise, die auf Ressoucenverschwendung und Profit ausgerichtet ist, muss sich radikal ändern. Wir müssen das Leben, das die Erde uns heute noch ermöglicht, viel mehr wertschätzen; denn es bleibt uns nicht selbstverständlich erhalten.

Alle fürs Klima! für eine lebenswerte Zukunft auch künftiger Generationen! Für den Schutz der Natur!

Rheinmetall entwaffnen! Camp, Blockade und Demo mit viel Schwung und Entschiedenheit

Ca. 450 Kriegsgegner*innen demonstrierten am 7. 9. in Unterlüß gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall – Waffenproduktion und Waffenexporte. Auch aus Hannover kamen Aktive aus verschiedenen politischen Bereichen zusammen, um gemeinsam nach Unterlüß zu fahren. Mit vielen Fahnen, Transparenten, einem Sarg für die Waffenindustrie und immer wieder lautstark gerufenen Parolen ging es los. . Sprechchöre wie “Rheinmetall entwaffnen – Krieg beginnt hier” waren lautstark zu hören.

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Ebenso wie ‚Grenzen zu für Waffen – Grenzen auf für Geflüchtete!‘ ” Unterwegs wurde vielfach versucht, Menschen am Rande der Demo anzusprechen, Flugblätter wurden in Briefkästen gesteckt. Die Reden unterwegs waren dann doch vielleicht etwas zu konfrontativ – es ist schwer, gegenüber Produzierenden von Waffen den richtigen Ton zu finden.

Vor den Gebäuden von Rheinmetall, das in Unterlüß mehrere Werke betreibt, sagte ein Sprecher des Bündnisses “Rheinmetall entwaffnen‘: “Hier an diesem Ort, wo Waffen produziert werden, ist der Beginn der Kriege weltweit”. Etwa 100 Initiativen aus der Friedensbewegung, aber auch feministische und kurdische Gruppen sowie der Flüchtlingsrat Niedersachsen hatten zu der Demonstration aufgerufen. “Flucht und Krieg hängen unmittelbar zusammen”, so der Sprecher.
Ein weiteres Highlight bei der Abschlusskundgebung war die eindringliche und wunderbare Solidaritäts-Adresse an uns von Esther Bejarano – Mitglied des Mädchenorchesters in Auschwitz, die alle sehr beeindruckt hat. Sie wies auf Zwangsarbeiter/innen hin, die bei Rheinmetall geschuftet haben und gestorben sind. “Ihr seid unsere Hoffnung…” sagte sie, denn (sinngemäß) wenn in Deutschland die Kriegstreiber, wozu sie auch die Waffenindustrie zählte, wieder die Oberhand bekämen, dann wären die Millionen Opfer umsonst gestorben. Sie dankte uns und ermutigte uns weiter zumachen in unserem Protest.


Wenn die Polizei mitteilt:„Bis zum Nachmittag blieb die Lage “relativ friedlich”, frage ich mich, wo die Lage ‚nicht ganz so friedlich‘ war. Und wenn auf dem Rückweg zum Bahnhof nach der Demo uns ein Mann anbrüllte, wir sollten endlich mal mit dem Terror und unserem diktatorischen Vorgehen aufhören, dann .frage ich mich doch, was denn unsere kreative Demo an ‚Terror‘ beinhaltet  hat – im Vergleich zu den Waffen von Rheinmetall, die den Menschen in vielen Ländern Terror, Tod und Leid in ihr Leben bringen.

Schon in der Woche zuvor hatten viele Aktive die Gelegenheit genutzt, sich im Camp vielfältig zu informieren und auszutauschen. Interessant dabei: Der ökumenische Arbeitskreis Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung hatte seinen Pilgerweg für den Frieden so gestaltet, dass er an diesen Tagen zum Camp dazustieß und an den Aktionen teilnahm.
06.09.2019 15:30 Uhr  – Aktivisten blockieren seit Montag die Zufahrt zum Werk des Waffenherstellers. Die Kriegsgegner*innen sind bereits seit einigen Tagen vor Ort. Am Donnerstag und Freitag hatten hunderte Aktivist*innen die Zufahrt zum Werksgelände von Rheinmetall blockiert. Ziel sei es gewesen, die Rüstungsproduktion lahmzulegen. Die Polizei ermöglichte den Mitarbeitern der Firma eigenen Angaben zufolge den Zugang zum Werk. In einem Fall sei eine besetzte Schiene geräumt worden. Bei dem Einsatz wurde nach Angaben von “Rheinmetall entwaffnen” ein Demonstrant schwer verletzt. Rheinmetall kommentierte das Protestcamp mit den Worten, das Unternehmen agiere im rechtlichen Rahmen. (Grundlage – Bericht von NDR 1)

Gender in der Friedensbewegung

Auf die Frage nach der Relevanz der Geschlechterperspektive in der Friedensbewegung gilt der erste Blick den gängigen bundesweiten Friedensstrukturen. Das Ergebnis ist eher ernüchternd.»Geschlecht und Krieg« wird in der Friedensbewegung – von wenigen Ausnahmen abgesehen – fast ausschließlich unter dem Opferaspekt abgehandelt. »FrauenundKinder« als Opfer von Krieg – darin erschöpft sich die Thematik weitgehend, wenn der Begriff »Gender« überhaupt in den Mund genommen wird. Man muss schon froh sein, wenn Aufrufe und Analysen der bundesweit aktiven Friedensbewegung in einer einigermaßen gegenderten Schreibweise verfasst sind. Zudem werden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung, insbesondere der feministischen Friedens- und Konfliktforschung, in der praktischen Friedensarbeit kaum zur Kenntnis genommen und haben nur geringe Rückwirkung auf die etablierten Strukturen der Friedensbewegung.

Dabei sind weitergehende Perspektiven und Ansatzpunkte längst in der Diskussion, insbesondere wenn man den Blick über den rein friedenspolitischen Tellerrand hinaus wagt. Einige Stichworte:

  • Es wird immer deutlicher, dass sexualisierte Gewalt als Machtmittel zu verstehen ist. Sie wird sowohl gegen Frauen und Kinder als auch gegen gefangen genommene Männer eingesetzt. Auch wird die Drohung mit der Vergewaltigung naher Angehöriger in Verhören als Druckmittel genutzt.
  • Darüber hinaus werden Geschlechterverhältnisse, Rassismus und westlicher Paternalismus als hegemoniale Praktiken des Globalen Nordens (also»des Westens«) gegenüber dem Süden immer offenkundiger. In diesem Kontext wurde von der feministischen Friedens- und Konfliktforschung der Begriff »embedded feminism« geprägt. Er thematisiert die Vereinnahmung von Feminismus für hegemoniale westliche Politiken. In queeren Zusammenhängen wird der Begriff »Homonationalismus« genutzt, um die Indienstnahme ehemals emanzipatorischer Forderungen der Frauen-/Lesben- und der Schwulenbewegung für hegemoniale, imperialistische Politiken des Westens zu thematisieren. Es sollte aufmerken lassen, wenn etwa Horst Seehofer Frauen- und Homosexuellenrechte für Afghanistan fordert, aber nicht für Bayern.
  • Insbesondere in der Debatte um Deserteure des Zweiten Weltkrieges findet zunehmend die Geschlechterperspektive Berücksichtigung (siehe vor allem Fritsche 2015). Um Machtstrukturen, Gehorsam und unbedingte Opferbereitschaft – im nationalsozialistischen Deutschland als »Manneszucht« bezeichnet – zu verstehen, hilft die Analyse von Männlichkeiten erheblich weiter. Dieser Ansatz kann auch in anderen Strukturen diskutiert und nutzbar gemacht werden.

Schon aus diesen Stichworten wird klar, dass über die Wirkmächtigkeit von Geschlecht und Geschlechterrollen als Element von Politik nur sinnvoll reflektiert werden kann, wenn Geschlecht im Zusammenhang mit Rassismus und Kolonialismus untersucht wird. Ein »critical whiteness«-Ansatz muss beachtet werden; insgesamt muss intersektional gedacht werden. Im Folgenden möchte ich auf die beiden benannten Ansatzpunkte – sexualisierte Gewalt als Machtmittel gegen Frauen, Kinder und Männer sowie die Konzepte »embedded feminism« und »Homonationalismus« – etwas genauer eingehen, um mich abschließend der Frage zuzuwenden, wie die deutsche Friedensbewegung solche Fragestellungen aufgegriffen hat – und einige konkrete Forderungen anzuschließen.

Sexualisierte Gewalt als Machtmittel gegen Frauen, Kinder und Männer

Das Regionale Informationszentrum der Vereinten Nationen in Westeuropa (UNRIC) machte sexualisierte Gewalt gegen Frauen in kriegerischen Konflikten als Massenphänomen deutlich und veröffentlichte u.a. die folgenden Daten: „In der Demokratischen Republik Kongo [sind seit] Beginn des bewaffneten Konflikts schätzungsweise 200.000 Frauen Opfer sexualisierter Gewalt geworden. […] Während des Völkermords in Ruanda (1994) wurden 250.000 bis 500.000 Frauen vergewaltigt.“ (UNRIC 2015) Auch in weiteren Konflikten, etwa auf dem Balkan, waren Frauen massiv von sexualisierter Gewalt betroffen. Sexualisierte Gewalt wird in Konflikten als Machtmittel und zur Erniedrigung in großem Maße auch gegen Männer eingesetzt. Unter anderem gaben in El Salvador 76 % der in Gefangenschaft geratenen Männer an, sexualisierte Gewalt erfahren zu haben; in Sri Lanka waren 21 % der in Gefangenschaft geratenen männlichen Tamilen betroffen. Das gilt auch für weitere Konflikte. Eine ausführliche Zusammenstellung findet sich bei Stemple (2009).

Neben Männern geraten mittlerweile auch Frauen als Täter*innen in den Blick. Eingeschrieben hat sich in unser Gedächtnis etwa das Bild einer US-Soldatin, die im irakischen Gefängnis Abu Ghraib einen Gefangenen sexuell malträtierte. Dabei ist festzuhalten, dass sexualisierte Gewalt gegen Gefangene als Ausdruck von Macht zu verstehen ist: Der*die situativ Überlegene malträtiert die Unterworfenen sexuell.

Des Weiteren gilt zu bedenken, wie das Motiv »FrauenundKinder« als Rechtfertigung für militärische Handlungen eingesetzt wird. »FrauenundKinder« werden traditionell als besonders verletzlich und gefährdet, als Opfer präsentiert. Damit wird militärisches Eingreifen legitimiert, der Gegner wird dämonisiert – insbesondere die kämpfenden Männer des Gegners –, im Gegensatz zu den eigenen, ehrenvoll kämpfenden Männern. Es wird damit in der eigenen Bevölkerung eine Aggression gegen die »Anderen« angestachelt. Eine weitere Verstärkung ergibt sich durch eine Überbetonung der »Heimatliebe« von »FrauenundKindern«. Mit diesem Diskursbild werden gerade flüchtende Frauen als besonders »heimatverbunden« ausgewiesen, und es wird ihnen im Asylland eine dauerhafte Bleibeperspektive verwehrt.

Deutlich wird dabei auch die Entmündigung: Frauen und Kinder werden in der medialen Darstellung vorgeführt, aber auch in den politischen Diskussionen kommen sie stets nur als Opfer vor. Während über Frauenrechte (und Kinderrechte) gesprochen wird, tauchen als tatsächlich handelnde politische Akteure ausschließlich Männer auf. Da der Fokus auf »FrauenundKinder« liegt, wird Frauen die Möglichkeit genommen, selbst als Akteurinnen politische Entscheidungen herbeizuführen. Damit wird unterstellt, als tatsächliche oder vermeintliche Opfer von Gewalt fehle ihnen die notwendige Durchsetzungskraft und -kompetenz für politisches Handeln und sie bedürften der männlichen Beschützer und politischen Entscheider.

Die Konzepte »embedded feminism« und »Homonationalismus«

»Embedded feminism« bezeichnet die Indienstnahme ursprünglich feministischer Forderungen für die Legitimierung von Krieg, beispielsweise im Irak und in Afghanistan. »Feminismus« ist in diesem Zusammenhang zu einem Mittel der Herrschenden geworden. Frauen- und Homosexuellenrechte werden selbst von konservativen Politiker*innen angeführt, um militärisches Eingreifen zu rechtfertigen – das Beispiel Horst Seehofer habe ich bereits erwähnt. Es wird nicht als Widerspruch wahrgenommen, dass emanzipatorische Veränderungen im eigenen Land gleichzeitig von den gleichen Politiker*innen aktiv bekämpft werden. Der damit zu Tage tretende Paternalismus des Westens, der mit tiefem Rassismus einhergeht, spielt in der gesellschaftlichen Debatte keine Rolle. Einzelne Steigbügelhalter*innen legitimieren diese Praxis zusätzlich. Ein Beispiel: Im Rahmen der Rechtfertigung des Krieges gegen Afghanistan wurde es als notwendig beschrieben, die afghanischen Frauen vor den afghanischen Männern zu retten. Afghanistan und insbesondere die Taliban wurden als patriarchalische Gesellschaft gezeichnet – in Abgrenzung zur emanzipatorischen deutschen. Verschärfend wurden diese so definierten Zustände pauschal »dem Islam« zugeschrieben. (Diese Zuschreibung entpricht in den heute geführten Debatten dem kaum mehr hinterfragten Mainstream.) Die daraus entstehende Konstruktion ist offenkundig: auf der einen Seite das erhöhte, aufgeklärte deutsche christlich-säkulare Subjekt, auf der anderen Seite das zu zivilisierende islamische Objekt. Dass in diesem Umfeld Konflikte nicht gelöst werden können, versteht sich von selbst (Engels und Gayer 2011).

Das Phänomen des »embedded feminism« ist historisch nicht neu. Schon der deutsche Kolonialismus wurde um 1900 mit Frauenrechten gerechtfertigt. Die weißen Deutschen wollten die Schwarze Frau vor dem Schwarzen Mann retten, so das legitimierende Argument der Kolonialist*innen. Auf diese Argumentation ließen sich auch die Sozialdemokratie und die bürgerliche, punktuell sogar die sozialistische Frauenbewegung einschwören. Kritisch arbeitete unter anderem Angela Davis heraus, wie die Weißen den Schwarzen Männern Aggressivität, Promiskuität und Hypermaskulinität zuschrieben; aber auch den Schwarzen Frauen wurde Promiskuität zugeschrieben, sodass die weiß dominierten Gerichte in den USA ihnen u.a. um 1900 keinen Glauben schenkten, wenn sie von einem weißen Mann vergewaltigt worden waren – und das angezeigt hatten. Für die Situation in Deutschland und den deutschen Kolonialismus sind besonders lesenswert die Bücher »Farbe bekennen«, hrsg. u.a. von Katharina Oguntoye, sowie der Band »Schwarze Frau, weiße Herrin« von Martha Mamozai.

Der Begriff »Homonationalismus« wurde im Jahr 2007 von Jasbir K. Puar (Puar 2007) geprägt, die die Indienstnahme von Forderungen der emanzipatorischen Frauen-/Lesbenbewegung und der Schwulenbewegung für kriegerische und westlich-hegemoniale Belange thematisiert und kritisiert.

Homosexualität bzw. gleichgeschlechtlicher Sex wurde historisch ebenfalls immer wieder als Motiv angeführt, um die Rückständigkeit und »Unzivilisiertheit« von Ländern zu markieren. Der Orientalist Edward Said zeigte auf, wie gerade den arabischen Männern ein massiver gleichgeschlechtlicher sexueller Drang zugeschrieben wurde. Mann-männliche Zärtlichkeiten in Arabien und in kolonialisierten Regionen wurden von den europäischen Kolonisator*innen als Zeichen dafür gedeutet, wie rückständig und unzivilisiert die Regionen seien; auch bei den armen Männern und Frauen der Arbeiterklasse in Europa machten die weißen, bürgerlichen Europäer*innen diese »Unzivilisiertheit« aus. Als Maß der »Zivilisation« wurde demgemäß das Bild klarer Männlichkeit und Weiblichkeit und der eindeutigen heterosexuellen Bezogenheit von Frauen auf Männer und umgekehrt entwickelt.

Heute hat sich die Sichtweise verkehrt: Nachdem der arabische Raum zumindest punktuell die europäische Homophobie gelernt hat, während in Europa nach und nach die Verfolgung Homosexueller abgebaut wurde,1 wird die kürzlich entwickelte Toleranz gegenüber Lesben und Schwulen sogleich zum Interventions- und Kriegsgrund gegenüber anderen Ländern gewendet. Es sollte aufhorchen lassen, wenn selbst konservative und rechtspopulistische Politiker*innen, die im eigenen Land niemals für die Rechte von Homosexuellen eingetreten waren, auf einmal die Rechte von Homosexuellen entdecken, wenn es einen Krieg zu rechtfertigen gilt.

Geschlecht und die Friedensbewegung

Eigentlich hat die deutsche Friedensbewegung eine lange – auch feministische – Geschichte. Erinnert sei an Lida Gustava Heymann, Hedwig Dohm, Anita Augspurg und Bertha von Suttner, um nur vier Namen zu nennen, die eng mit dem Widerstand gegen den Ersten Weltkrieg verbunden sind. Die Wirkmächtigkeit der Friedensbewegung der 1980er Jahre ist ohne die vielen Frauenfriedensgruppen und die überdurchschnittliche Teilnahme von Frauen an Demonstrationen nicht zu erklären. Die zentralen Debatten zum Ende des letzten Jahrtausends drehten sich um die Öffnung der Bundeswehr und weitergehend der Wehrpflicht für Frauen, wie es beispielsweise Alice Schwarzer forderte. An dieser Stelle gab es interessanterweise einen Riss zwischen Friedensaktivist*innen und Feminst*innen, die sich nicht der Friedensbewegung hinzurechneten.

Trotz der relativ hohen Bedeutung, die Frauen in der Friedensbewegung der Bundesrepublik hatten und haben, bleibt festzustellen, dass die Friedensbewegung in Deutschland in ihrer Außenwirkung stark männlich dominiert ist, nicht nur personell, sondern auch inhaltlich.

Konkret ist für meinen Verband, die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdiengstgegnerInnen (DFG-VK), zu konstatieren, dass immer noch über 70 % aller Mitglieder männlich sind. Auf Landesebene gibt es nicht eine Landesvorsitzende oder Landesgeschäftsführerin; selbst im BundessprecherInnenkreis, dem ich ja auch angehöre, sitzt nur eine Frau. Das schlägt sich auch in den bearbeiteten Themen nieder bzw. darin, welche Themen eben gerade nicht behandelt werden.

Allerdings gibt es auch viele positive Entwicklungen. Eine ist sicherlich das Frauennetzwerk für Frieden e.V., das seit Jahren eine kontinuierliche Arbeit leistet. Auch der Bund für Soziale Verteidigung hat es geschafft, eine funktionierende Arbeitsgruppe zu Gender und Frieden zu implementieren, die sich regelmäßig trifft und arbeitet.

Und selbst meine alte DFG-VK – sie wird demnächst 125 – hat jüngst das Thema entdeckt: »Frauen gegen Militär« war 2016 das Titelthema einer Ausgabe der Zeitschrift »Zivilcourage«. Das ist höchste Zeit, haben wir doch mit der Friedensnobelpreisträgerin und Feministin Bertha von Suttner, die die Frauenfrage und die pazifistische Frage nur gemeinsam für lösbar hielt und sich früh gegen das Bild der friedfertigen Frau wandte, ein häufig zitiertes Gründungsmitglied. Last but not least gibt es in der DFG-VK inzwischen eine Arbeitsgruppe, die versucht, Rassismus und Geschlechterverhältnisse unter antimilitaristischen und pazifistischen Fragestellungen gemeinsam zu analysieren.

Hier sehe ich die pragmatischsten Anknüpfungspunkte für die diesbezügliche Weiterarbeit:

  • die Vernetzung der jeweils Aktiven in den Gruppen sowie zwischen den Verbänden und Initiativen innerhalb der klassischen Friedensbewegung und darüber hinaus zu fördern,
  • über die Gruppengrenzen hinaus zielendes Einladen, die klassischen antimilitaristischen, pazifistischen Argumente eben auch auf die oben skizzierten Geschlechterperspektiven hin zu untersuchen sowie
  • die Argumente der Kriegsbefürwortenden in Bezug auf Geschlechterfragen zu dekonstruieren.

Auf diese Weise können argumentativ und aktionsbezogen Lösungen für Frieden angeboten und die – oft zu einfachen – Antworten weißer Männer hinterfragt werden.

Ein Schlusswort von Bertha von Suttner

Schließen möchte ich anlassgemäß mit einem Zitat Bertha von Suttners, die bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Geschlechterrollen in mehreren Arbeiten diskutierte. So widmete sie der Gleichberechtigung der Frauen ein eigenes Kapitel in ihrem viel zu wenig wahrgenommenen Buch »Das Maschinenzeitalter – Zukunftsvorlesungen für unsere Zeit«. Und in einer aufschlussreichen Aufsatzpassage in der Monatszeitschrift »Die Waffen nieder!« schrieb sie 1895 zur zwiespältigen Positionierung von Frauen in Bezug auf Krieg und Frieden:

Doch ist es immerhin ein sehr erfreuliches Zeichen der Zeit, dass sich nunmehr Frauengruppen bilden, die die Förderung der Friedensbewegung in die Hand nehmen. Dabei muss man aber nicht vergessen, dass es gleichfalls Frauengruppen sind, die Sammlungen für Torpedoboote einleiten und in kürzester Zeit 800,000 Kronen zu diesem Zweck zusammenbringen; dass Fürstinnen es sich zur höchsten Ehre rechnen, Regimentschef zu sein, dass von Keiner der gegenwärtig regierenden Königinnen noch ein Wort, geschweige denn eine That gegen den Krieg gekommen ist, dass die Mütter die besten Kunden der Bleisoldatenfabriken sind, dass Bismarck mit aller Zuversicht zu der ihm huldigenden Frauendeputation sagen konnte, die Frauen werden das heranwachsende Geschlecht zu patriotisch-kriegerischer Gesinnung heranziehen.“ (Hervorhebungen im Original)

Anmerkung

Literatur

Butler, Judith (2010): Raster des Krieges. Frankfurt am Main: campus.

Engels, Bettina; Gayer, Corinna (Hrsg.) (2011): Geschlechterverhältnisse, Frieden und Konflikt – Feministische Denkanstöße für die Friedens- und Konfliktforschung. Baden-Baden: Nomos.

Fritsche, Maria (2015) Männlichkeit als Forschungskategorie? Vom Nutzen gendertheoretischer Ansätze für die Militär- und Militärjustizgeschichte. In: Bade, Claudia; Skowronski, Lars; Viebig, Michael: NS-Militärjustiz im Zweiten Weltkrieg. Göttingen: V&R Unipress, S. 61-77.

Oguntoye, Katharina; Ayim, May; Schultz, Dagmar (Hrsg.) (1986): Farbe bekennen – Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. Berlin: Orlanda Frauenverlag.

Mamozai, Martha (1989 [EA 1982]): Schwarze Frau, weiße Herrin – Frauenleben in den deutschen Kolonien. Berlin: Rowohlt.

Puar, Jasbir K. (2007): Terrorist Assemblages – Homonationalism in Queer Times. Durham: Duke University Press.

Stemple, Lara (2009): Male Rape and Human Rights. Hastings Law Journal, 60, S. 605-647.

Von Suttner, Bertha (1895): Die Friedensbewegung und die Frauen. In: Die Waffen nieder! Monatsschrift zur Förderung der Friedensbewegung, 7, S. 254-257.

Von Suttner, Bertha (1889): Das Maschinenzeitalter – Zukunftsvorlesungen über unsere Zeit. 3. Auflage, Dresden und Leipzig: E.Pierson’s Verlag.

Anmerkung

1) In Deutschland wurde der Strafparagraf 175, der sich gegen mann-männlichen Sex richtete, erst im Jahr 1994 abgeschafft.

Stopp Air Base Ramstein

Ramstein – das Zentrum der aggressiven US-Politik in Europa. Von hier aus werden Drohnen gesteuert, die anonymen Tod in viele Länder bringen. Von hier aus wird Krieg der USA im Nahen Osten, in Afrika möglich gemacht.
Die Aktionswoche der Kampagne “Stopp Air Base Ramstein” fand am Samstag, 29.6.2019 mit der Demonstration gegen die US-Militärbasis ihren Höhepunkt. Bei Temperaturen von über 30 Grad starteten die Teilnehmer_innen mit einem Marsch von einem Friedenscamp nach Ramstein-Miesenbach.
Dort fand die Auftaktkundgebung statt, auf der mehrere Redner-innen zu Wort kamen – unter ihnen auch eine Aktivistin von “Ende Gelände” und von “Fridays for Future”. Gegen 14 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Richtung zur US Air Base Ramstein in Bewegung. Während die Veranstalter_innen von etwa 5.000 Teilnehmenden sprachen, zählte die Polizei nur bis etwa 1.500. Auf der Abschlusskundgebung sprach auch der frühere saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine, der unter anderem auch hart mit der US-Außenpolitik ins Gericht ging.

Weitere Infos unter https://www.ramstein-kampagne.eu/

Gegen Bundeswehr beim Kirchentag

Das Friedensbüro Hannover hat folgenden Brief an den Kirchentag geschrieben:

Sehr geehrte Mitglieder des Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT) in Dortmund 19.-23. Juni 2019!

Wir protestieren gegen die Lobby-Werbung der Bundeswehr auf dem DEKT
2019. Insbesondere protestieren wir
(1.) gegen den Militärgottesdienst am Freitag, 21.06.2019, 11 Uhr St. Marien. An diesem Gottesdienst nehmen teil: Militärmusikkorps, Militärseelsorge, Militärbischof und hohe Vertreter*innen der Bundeswehr. Die Militärpolizei wird die Eingänge sichern. Die Bezeichnung „Bittgottesdienst für den Frieden” ist verbale Schönfärberei.
(2.) Gegen den Auftritt einer Bundeswehr-Musik-Band, am Abend der Begegnung, 19.06.2019, ab 18.30 Uhr auf dem Platz der alten Synagoge.
(3.) Gegen die Lobby-Stände der Bundeswehr, Abteilung Militärseelsorge, auf dem Markt der Möglichkeiten.
(4.) Gegen die Teilnahme von Bundeswehr-Vertreter*innen auf mehreren Diskussions-Podien.

MIT BEZUG AUF DAS KIRCHENTAGS-MOTTO „WAS FÜR EIN VERTRAUEN“ MÖCHTEN WIR DIE FRAGE STELLEN:
AUF WEN ODER WAS VERTRAUEN WIR? VERTRAUEN WIR AUF ABSCHRECKUNG, AUFRÜSTUNG, MILITÄR UND RÜSTUNG? ODER VERTRAUEN WIR AUF VERNUNFT, DIALOG, VÖLKERVERSTÄNDIGUNG, VERTRÄGE UND GEWALTFREIE VERTEIDIGUNG?
In Zeiten der weltweiten Aufrüstung sollte die Kirche ein Zeichen für Abrüstung setzen. Das würde bedeuten, auch den DEKT abzurüsten. Das würde heißen, dass der DEKT auf zivile Mittel setzt.

Keine Bundeswehr-Lobby-Arbeit auf dem Kirchentag! Militär-Werbung hat auf einem Kirchentag, der sich (hoffentlich) für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt, nichts verloren!

Die Kernaussage des Hannoverschen Ostermarsches war:‚Frieden wagen‘. D. h., wir wollen das Wagnis ‚Frieden‘ eingehen, im  Vertrauen darauf, dass Andere dies dann auch tun!
Abrüsten statt Aufrüsten! Stopp der Waffenexporte! Für eine Weiterführung des INF-Vertrages!
Kein Vertrauen in Militär und Rüstung!

Mit freundlichen Grüßen
Für das Friedensbüro und die DFG-VK Hannover
Brunhild Müller-Reiß

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