Pressemitteilung zum HAZ-Beitrag vom 10.02.2011 „Wehrmachtsdeserteure auf dem Fössefeld-Friedhof begraben“

sehr erfreut haben wir  den Beitrag „Wehrmachtsdeserteure auf dem Fössefeld-Friedhof begraben“ zur Kenntnis genommen und so auch von dem Aufsatz Werner Trolps in den Hannoverschen Geschichtsblättern (Heft 63) erfahren. Besonders gefreut hat uns die Ankündigung städtischen Engagements, das in eine würdigende Gedenktafel für die auf dem Fössefeld-Friedhof beigesetzten ermordeten Deserteure münden soll. Damit wird die langjährige Forderung des Friedensbüro Hannover e.V. und der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Hannover, auf dem Friedhof ein ehrenvolles Andenken für die Deserteure zu schaffen, erfüllt.

Um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der hannoverschen Deserteure haben sich in den vergangenen Jahren insbesondere Klaus Falk und die DFG-VK Hannover verdient gemacht. Falk hat zahlreiche Schicksale von hannoverschen Deserteuren zusammengetragen – Trolp würdigt diese Arbeit in seinem Beitrag entsprechend. Auf Grund der langjährigen Beschäftigung waren wir aber auch von einigen Ausführungen Trolps, die er im HAZ-Interview äußerte, überrascht – so von der Zahl der auf dem Fössefeld-Friedhof beigesetzten Deserteure, von dem nicht genauer spezifizierten Delikt der „Sabotage“ und den Ausführungen zu den Hinrichtungen selbst. Hier wird noch gründliche Recherche von Nöten sein, da Trolp die von ihm gewonnenen Daten nicht ausreichend absichert. So ist bspw. der von Trolp im Aufsatz angeführte Kanonier Walter Müller wegen gewerbsmäßiger Unzucht hingerichtet worden (Quelle: Archiv Hermine Wüllner, inzwischen übergeben an die Gedenkstätte Roter Ochse Halle/S) – wie Trolp auf den im HAZ-Interview suggerierten Zusammenhang zu Desertion kommt, erläutert er nicht.

In jedem Fall freut uns, dass die hannoverschen Deserteure nun die verdiente Aufmerksamkeit finden – dazu haben auch Sie mit Ihrem schönen Artikel beigetragen! Wir werden das Gespräch mit den benannten Protagonisten suchen, damit die dann installierte Tafel auf abgesicherten Daten beruht. Die gesicherten Erkenntnisse sind bereits jetzt auf einer 2008 installierten Internetpräsentation unter www.deserteure-hannover.de zu finden. Mitte dieses Jahres wird überdies ein Buch zu hannoverschen Deserteuren erscheinen (‚…und wenn sie mich an die Wand stellen‘ – Desertion, Wehrkraftzersetzung und Kriegsverrat von Soldaten in und aus Hannover 1933-1945, ISBN: 978-3-930726-16-5, ca. 170 Seiten, Preis ca. 15 EUR), auf das wir Sie bereits jetzt herzlich hinweisen möchten und für das wir sie gern zu einer Besprechung einladen möchten. Es wendet sich detailliert und mit Originalquellen den Geschichten der aus Hannover stammenden oder in Hannover ermordeten Deserteure zu, verfolgt Ihre Motive – ‚einfach leben zu wollen‘, bewusst politischen Widerstand zu leisten u.a. – und bindet sie in Betrachtungen zur Wehr- und Kriegsgerichtsbarkeit ein.

Über Ihr weiteres Interesse und Engagement würden wir uns freuen!

“Sexuelle Gewalt in militärischen Konflikten: Männer und Frauen als Täter / Täterinnen und Opfer”

Termin: Mittwoch, 16.03.2011
Beginn: 19.00 Uhr
Ort: Pavillon (Hannover, Lister Meile 4)

Dr. Regina Mühlhäuser rückt in der Veranstaltung “Sexuelle Gewalt in militärischen Konflikten: Männer und Frauen als Täter / Täterinnen und Opfer” den zentralen Punkt in den Blick, der untrennbar mit Fragen um Geschlecht und Militär verbunden scheint. Es wird die sexualisierte, vielmehr sexuelle Gewalt in Konflikten gegenüber Frauen, Männern und Kindern thematisiert. Es werden Fragen nach den Opfern gestellt, – und es werden insbesondere die Täter und Täterinnen genau anvisiert: Wieso kommt es in militärischen Konflikten zu zahllosen sexuellen Übergriffen gegenüber der Zivilbevölkerung und gegnerischen Soldatinnen und Soldaten? Hängt dies mit soldatischen Identitäten zusammen, mit Machtbeweisen oder eigener Überforderung mit der gesehenen Gewalt? Ergeben sich hier möglicherweise Änderungen durch die Aufnahme von Frauen in Armeen, – und wenn ja, wie sehen diese aus? Nach dem Vortrag von Dr. Mühlhäuser wird ausreichend Gelegenheit für Diskussion sein.

Die Veranstaltung schließt die Reihe “Der Krieg der ‘Schwestern’ – Die neue Menschlichkeit des Militärs?” ab, die von Friedensbüro Hannover e.V. und DFG-VK Hannover, in Kooperation mit Stiftung Leben und Umwelt – Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen und Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen, veranstaltet wurde.

Stoppt den Krieg in Afghanistan – Perspektiven für Frieden & Entwicklung

„Stoppt den Krieg in Afghanistan-Perspektiven für Frieden und Entwicklung“…
… so lautet das Motto einer eher ungewöhnlichen Konferenz zur deutschen Afghanistanpolitik.
Wann: 19. / 20. Februar 2011
Wo: ver.di – Höfe, Goseriede 10, 30159 Hannover

Träger: Bundesausschuss Friedensratschlag, Kooperation für den Frieden, Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.
Mit Unterstützung von: Bertha-von-Suttner-Stiftung der DFG-VK, Stiftung Friedensbewegung, Humanistische Union vereinigt mit Gustav-Heinemann-Initiative

„Stoppt den Krieg in Afghanistan-Perspektiven für Frieden und Entwicklung“…
… so lautet das Motto einer eher ungewöhnlichen Konferenz zur deutschen Afghanistanpolitik.
Personen und Organisationen aus der Friedensbewegung und dem entwicklungspolitischen
Zusammenschluss VENRO haben den Dialog der beiden unterschiedlichen Perspektiven gestartet. Das Unbehagen an der Lage in Afghanistan und das Bestreben mit den je eigenen Kompetenzen zu einer Verbesserung beizutragen, motiviert diese Gruppen zur Zusammenarbeit. Dem unkoordinierten
Nebeneinander der offiziellen Politik stellen sie Dialog und konkrete Schritte der Zusammenarbeit
entgegen. Auf der Konferenz in Hannover wollen sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten für eine
friedliche Lösung in Afghanistan kontrovers diskutieren.
Danach sind Kooperationen und gemeinsame Aktionen auf der Basis der Gemeinsamkeiten geplant.
Veranstalter der Konferenz sind der „Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.“ – VENRO, die fünfzig in der „Kooperation für den Frieden“
zusammengeschlossenen Gruppen und Initiativen sowie der „Bundesausschuss Friedensratschlag“, der vor allem Basisinitiativen der Friedensbewegung vertritt.
In einem Diskussionspapier zur Konferenz wird „Vorrang für zivil“ und als ersten Schritt das Ende
aller Kampfhandlungen gefordert, um einen Dialog über eine umfassende Friedenslösung einzuleiten,
die den Abzug der internationalen Truppen beinhaltet. Zivile selbstbestimmte Strukturen in
Afghanistan sollen demnach unterstützt werden. Eine militärisch zivile Zusammenarbeit wird abgelehnt
und eine nachhaltige Friedenspolitik wird angemahnt. Die Ursachen von Hunger, Armut, Gewalt und
Unterentwicklung müssten beseitigt werden, um die existenziellen Bedürfnisse der Menschen zu
sichern. Entwicklung gelingt nicht durch das Überstülpen fremder westlicher Lebens- Kultur- und
Wirtschaftsweisen auf andere Länder.
Nach einer Analyse der Lage in Afghanistan aus entwicklungspolitischer und friedenspolitischer
Perspektive geht es bei der Arbeitskonferenz um Wege zur Beendigung des Krieges, um Knackpunkte einer zivilen Afghanistanpolitik und das Herausarbeiten gemeinsamer Positionen und Empfehlungen.
Die Träger erwarten von der Konferenz eine Intensivierung ihrer Informationstätigkeit über die
Probleme des Krieges in Afghanistan und damit Beiträge zu dessen baldiger Beendigung.

Programm
Samstag, 19. Februar 2011
11.00 – 13.00 Uhr
A – Auftakt – Afghanistan aus verschiedenen Perspektiven
Einführung: Analyse der Lage in Afghanistan aus entwicklungspolitischer und
friedenspolitischer Sicht
Redner: Thomas Gebauer (medico international)
Podiumsdiskussion: · Renke Brahms (Beauftragter des Rates der EKD für
Friedensarbeit)
· Reiner Braun (IALANA / Kooperation für den Frieden)
· Ute Finckh (Plattform Zivile Konfliktbearbeitung)
· Monika Hauser (medica mondiale / VENRO)
14.30 – 18:00 Uhr
B – Den Krieg in Afghanistan beenden!
14:30 – 15:15 Uhr Vernetzte Sicherheit: Vortrag mit anschließender
Kommentierung aus Entwicklungszusammenarbeit und
Friedensbewegung
Vortrag: Jochen Hippler (Institut für Entwicklung und Frieden, Universität
Duisburg)
Kommentierung: · Robert Lindner (VENRO)
· Matthias Jochheim (IPPNW)
15:20 – 16:00 Uhr Militärische Intervention zum Schutz von Menschenrechten:
Streitgespräch
Mit: · Werner Ruf (Bundesausschuss Friedensratschlag)
· Herbert Wulf (Zeitschrift Wissenschaft und Frieden)
16:00 – 16:30 Uhr Pause
16:30 – 18:00 Uhr Legitimation ziviler Auslandseinsätze: Podiumsdiskussion
Mit: · Erhard Crome (Rosa Luxemburg Stiftung/
Bundesausschuss Friedensratschlag)
· Otto Jäckel (IALANA)
· Jürgen Lieser (VENRO)
Moderation: · Werner Koep-Kerstin (HU/GHI)
· Monty Schädel (DFG-VK)

19:30 – 21:00 Uhr
C – Wie wird in Deutschland mit Afghanistan Politik gemacht?
Talkrunde mit Politik und Medien
Mit: · Andrea Böhm (Die Zeit)
· Stephan Hebel (Frankfurter Rundschau)
· Thomas Ruttig (Afghanistan Analysts Network)
Moderation: Reiner Braun
Im Anschluss: Zeit für Gespräche und Getränke
Sonntag, 20. Februar 2011
Knackpunkte einer zivilen Afghanistanpolitik aus Sicht der
Entwicklungsarbeit und der Friedensbewegung
Dieser abschließende Vormittag dient der Verständigung untereinander mit Blick
auf künftige strategische Kooperationen.
9:30 Uhr Einführung in den Tag
· Christine Hoffmann (pax christi)
· Thomas Gebauer
9:45 Uhr Arbeitsgruppen zu drei zentralen Themen.
Die AG’s werden durch zwei inhaltliche Inputs aus dem jeweiligen
Blickwinkel von Entwicklungsarbeit (EZ) und Friedensbewegung
(FB) eingeleitet. Jede AG wird moderiert und eine
Berichterstatter/in beobachtet und trägt später im Plenum die
Ergebnisse vor. Die AG’s werden doppelt angeboten.
Auftrag an die AG’s
Die Inputs werden diskutiert mit den Zielen:
· Gemeinsame Positionen
· Gemeinsame Empfehlungen
· Weiter zu diskutierende Knackpunkte
· Mögliche strategische Kooperationen

9:45 – 11:15 Uhr Arbeitsgruppen
AG 1 und 2: Frauenrechte, Justizreform und Gerechtigkeit
Wider die Straflosigkeit und die Instrumentalisierung von
Frauenrechten und politische Kultur und Strategien / Demokratie
· Bele Grau (medica mondiale)
· Jessica Mosbahi (medica mondiale)
· Christine Hoffmann
· Ute Finckh (Plattform Zivile Konfliktbearbeitung)
AG 3 und 4: Verhandeln mit allen Konfliktparteien
Regionale Waffenstillstände und zivilgesellschaftliche Partner/innen
aus und in Afghanistan
· Cornelia Brinkmann (ZFD)
· Thomas Ruttig
· Otmar Steinbicker (Kooperation für den Frieden)
· Andreas Buro (Komitee für Grundrechte und Demokratie)
AG 5 und 6: Armut überwinden und ökonomischer Aufbau
Alternativen zur Drogenwirtschaft – wirtschaftlicher Aufbau von
Afghanistan
· Timo Christians (Welthungerhilfe, angefragt)
· Hermann Rupp (Miseror)
· Helmut Asche (Forum internationale Zusammenarbeit für
nachhaltige Entwicklung, Universität Leipzig, angefragt)
· Uwe Wötzel (ver.di Bundesverwaltung)
11:15 – 11:30 Uhr Pause
11:30 – 13:00 Uhr Zukünftige Kooperationen (Plenum)
Berichte aus den Arbeitsgruppen und Diskussion
13:00 – 13:15 Uhr Schluss
Redner: Bodo von Borries (VENRO)

Organisatorische Hinweise
Veranstaltungsort:
Veranstaltungs- und Tagungsbereich
ROTATION
Goseriede 10
30159 Hannover

Unkostenbeitrag: EUR 20,- / ermäßigt 5,- Bitte mit dem Stichwort: „VENRO FB“ überweisen:
IALANA
Konto-Nr.: 1000 668 083
BLZ: 533 500 00
Für ökologische Verpflegung vor Ort wird gesorgt.
Anmeldung bitte per Email an: kongress@ialana.de, Stichwort: VENRO FB.

Diskussionspapier: Perspektiven für Frieden und Entwicklung in Afghanistan
Vereinbart im März 2010
Wir, Organisationen aus der Entwicklungspolitik, der Friedensbewegung, den Kirchen und
den Gewerkschaften, haben mit Blick auf den Krieg in Afghanistan einen intensiven Dialog
begonnen. Dabei wurde deutlich, dass uns vieles eint. Wir lehnen Krieg als Mittel der Politik
ab. Politische Probleme verlangen nach politischen Antworten.
Unter dem Motto: „Vorrang für zivil“ fordern wir ein Ende des Krieges in Afghanistan und
ein deutliches Zeichen für eine gewaltfreie Konfliktbearbeitung. „Vorrang für zivil“ bedeutet
einen strukturellen, personellen und finanziellen Vorrang ziviler Instrumente und Akteure.
Ein neues Mandat der Vereinten Nationen ist notwendig, das gleichermaßen zur Reduzierung
von Gewalt, Ungerechtigkeit und Not beiträgt und dadurch die universellen Menschenrechte
zu sichern vermag. Die Vereinten Nationen müssen, wie in der UN-Charta vorgesehen, die
Verantwortung für den Frieden und die internationale Sicherheit in der Region übernehmen.
· Der erste Schritt ist das sofortige Ende aller Kampfhandlungen und somit eine
Gewaltreduktion in Afghanistan, als Basis um einen Dialog über eine umfassende
Friedenslösung, die den Abzug der internationalen Truppen beinhaltet, einzuleiten.
Auch ein einseitiger Waffenstillstand, der lokal und regional beginnt, kann Raum für
eine nachhaltige Konfliktbearbeitung schaffen. Bei einem so im Land eingeleiteten
Friedensprozess kann auch z.B. der Jirga eine wichtige Rolle zukommen, wenn dafür
Sorge getragen wird, dass alle Bevölkerungsgruppen dort vertreten sind und
Mitspracherecht erhalten.
· Wir unterstützen zivile selbstbestimmte Strukturen in Afghanistan. Eine maßgebliche
Partizipation der gesamten Bevölkerung ist eine wichtige Voraussetzung für einen
friedlichen Entwicklungsweg. Hierbei müssen auch Frauengruppen aktiv einbezogen
und gezielt unterstützt werden.
· Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe sind keine Instrumente der
militärischen Aufstandsbekämpfung. Deswegen lehnen wir eine militärisch-zivile
Zusammenarbeit ab, die die Unterordnung des zivilen Sektors unter das Militär
bedeutet. Hilfsorganisationen sind unabhängige Akteure in der
Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe und dürfen durch militärischzivile
Kooperationen weder in Kriegshandlungen hineingezogen werden, noch durch
die Konditionierung von staatlichen Hilfsgeldern im Gegenzug für die Bereitschaft zur
Zusammenarbeit mit der Bundeswehr in ihrer Unabhängigkeit eingeschränkt oder
gefährdet werden.
· Wir wenden uns gegen den politischen Missbrauch von Begriffen wie Frauenrechte /
Menschenrechte, menschliche Sicherheit, Responsibility to Protect für die
ideologische Absicherung von militärischen Interventionen und Kriegen. Unsere
Zusammenarbeit soll daher auch zur Wiederaneignung der humanitären und
politischen Begriffe (z.B. Frieden, Sicherheit, Gerechtigkeit) beitragen.
· Friedenspolitik verlangt Nachhaltigkeit. Wir untersteichen die Zielsetzung, dass die
Ursachen von Hunger, Armut, Gewalt und Unterentwicklung beseitigt werden
müssen, um die existentiellen Bedürfnisse der Menschen zu sichern. Entwicklung
gelingt nicht durch das Überstülpen fremder westlicher Lebens-, Kultur- und
Wirtschaftsweisen auf andere Länder. Ein nachhaltiger Friedensprozess muss im Einklang mit
der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stattfinden, da diese
universell, unveräußerlich und unteilbar sind. Nur selber und gemeinsam können
afghanische Frauen und Männer diesen Prozess tragen und gestalten.
· Frieden in Afghanistan erfordert ein regionales Friedens- und Sicherheitskonzept, das
die Nachbarn des leidgeprüften Landes in einen dem KSZE-Prozess vergleichbaren
politischen Prozess einbezieht.
· Wir sehen uns in einer besonderen Verantwortung für die Menschen, die aus dem
Krieg in Afghanistan geflohen sind. Deshalb fordern wir den Stopp der unsäglichen
Abschiebepraxis und ein menschenwürdiges Aufenthaltsrecht.
Dieses Diskussionspapier bedarf einer weiteren Reflektion in den Zusammenhängen der
Friedensbewegung und der entwicklungspolitischen Gruppen sowie einer gemeinsamen
Weiterentwicklung in geeigneten Foren. Dazu soll auch diese Konferenz beitragen.

Demonstrationen gegen den Militäreinsatz in Afghanistan

Immer wieder freitags – einmal im Monat: NEIN zum Afghanistan-Krieg!

WIR GEHEN AUF DIE STRASSE !

WIR WERDEN IMMER LAUTER !!

WIR WERDEN IMMER MEHR!!!

Um die Beendigung des Krieges so so weit wie uns möglich ein Ende zu bereiten, führten. führten wir aus Anlass der mandatsverlängerung für den Afghanistankrieg eine Schilderdemo durch.

Unsere Demonstrationen werden wir – zunächst bis Juni – monatlich fortsetzen und bauen darauf, dass wir immer mehr, immer stärker und immer lauter werden!
Deshalb laden wir alle herzlich zur Teilnahme ein!

Termin: jeder 3. Freitag, 17.00 Uhr Bahnhofsatraße/Ecke Kaufhof

nächste Termine sind:

> 18. Februar 2011 (Freitag) 17.00 Uhr – Bahnhofstraße/Ecke Kaufhof
Anlass: Am 19./20. Februar (Wochenende) findet bei Ver.di eine Afghanistankonferenz
statt.

> 18. März 2011 (Freitag) – 17.00 Uhr – Bahnhofstr./Ecke Kaufhof

Die Daten der nächsten Demonstrationen werden rechtzeitig bekannt gegeben.
Wochentag, Treffpunkt und Zeit sind immer wieder gleich.


Veranstaltungsausfall 12.01.2011

Veranstaltung am 12.1.2011; “Sexuelle Gewalt in militärischen Konflikten: Männer und Frauen als Täter / Täterinnen und Opfer” (im Rahmen der Reihe “Der Krieg der ‘Schwestern’ – Die neue Menschlichkeit des Militärs?”) fällt wegen Krankheit der Referentin leider aus. Die Veranstaltung wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Kurzer Bericht über das Protestkonzert am 1. Dezember 2010

 

 

Friedenskonzert, Kundgebung und Demo am 1. Dezember 2010:

„Es ist Krieg, entrüstet Euch!

Es ist bitter kalt, der Wind pfeift um die Ohren und alle Menschen scheinen vor dem warmen Kamin zu sitzen. Es ist bereits dunkel um 19.00 Uhr, als nach und nach Leben auf den Platz vor der Neustädter Kirche kommt. Und dann erklingt Musik, ein Chor singt Friedenslieder, Posaunen erklingen, Reden werden gehalten – schließlich geht es zum Schiller auf der Georgsstraße, wo noch Abschlussreden gehalten werden. Ein riesiges Transparent gegen den Krieg in Afghanistan spannt sich über die Straße.

Immerhin haben sich ca. 80 Menschen Wind und Wetter entgegen gestellt und ihren Protest zum Ausdruck gebracht: gegen den Afghanistan-Krieg, aber auch gegen die Bereitschaft des Kirchenvorstands der Neustädter Kirche, jedes Jahr im November ‚seine‘ Kirche für ein Militärkonzert zur Verfügung zu stellen.

Zunächst fand das Militärkonzert über viele Jahre in der Marktkirche statt. Nach Protesten und der fehlenden Bereitschaft der Marktkirchengemeinde, dies auch weiterhin zu tun, siedelte das Musikkorps der 1. Panzerdivision (die in Afghanistan Elitetruppen stellt), in die Neustädter Kirche um. In diesem Jahr sagte das Militär aus ‚organisatorischen‘ Gründen ab. Der KV steht aber weiter hinter dem Militär – er hat seine Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs gegen AntimilitaristInnen, die in der Kirche eine Mahnwache hielten, nicht zurückgezogen.

Das Friedensbüro und der Leiter des Arbeitsfeldes Friedensarbeit im Haus kirchlicher Dienste Hannover, Pastor Burckhardt, wollen weiterhin zusammenarbeiten: gegen Militär in Gotteshäusern, gegen den Versuch, den Menschen Krieg als ‚humanitären Einsatz‘ zu verkaufen, gegen den Afghanistankrieg.

Brunhild Müller-Reiß
Friedensbüro Hannover e. V.

 

 

Rede: Friedensbüro zum Friedenskonzert am 1. Dezember 2010

Wir singen für eine Welt ohne Kriege!

Wir protestieren gegen den blutigen Krieg in Afghanistan!
Wir protestieren gegen den Versuch der Bundeswehr, sich in zivilen Bereichen die Legitimierung für ihre Einsätze zu erschleichen!

Kein Militär in Gotteshäusern!

 

Das Militärkonzert der 1. Panzerdivision, das mit weihnachtlichen Klängen Jahr für Jahr für kriegerische Einsätze in Afghanistan für eine stärkere Akzeptanz der Bundeswehr in der Gesellschaft geworben hat – und weiter wirbt – musste sich nach Protesten aus der Marktkirche zurückziehen. Doch auch der Umzug in die Neustädter Kirche führte zu Protesten. In diesem Jahr wurde das Konzert hier in der Kirche von den Militärs abgesagt. Zur Begründung mussten organisatorische Erklärungen herhalten. Allerdings gibt es sehr wohl u. a. die Ankündigung für ein Konzert des Heeresmusikkorps 1 in der St. Martins-Kirche in Nienburg am 15. Dezember. Der Abend dort soll ausklingen mit Glühwein und Weihnachtsgebäck im Rathaus!

Süßer die Glocken nie klingen …! In Afghanistan klingen keine Glöckchen, da wird gekämpft, geschossen, getötet.Deshalb setzen wir uns hier mit aller Kraft gegen den Versuch der BW ein, eine adventsgestimmte Bevölkerung vor ihren militärischen Karren zu spannen!

 

Nach wie vor hält die deutsche Regierung, hält das Militär an seinem Kriegseinsatz in Afghanistan fest. Daran ändert auch das neue ‚Sicherheitskonzept‘ nichts.
Und wenn die Nato in 4 Jahren abgezogen sein sollte, wie gerade in Lissabon beschlossen, wird die Bilanz noch schrecklicher sein, als sie es heute schon ist

Die Situation verschlechtert sich vor allem für die Zivilbevölkerung in Afghanistan von Tag zu Tag – Nichts ist normal in Afghanistan!

• Gezielte Tötungen von Aufständischen – gegen das Internationale Kriegsvölkerrecht – die eher das zivile Umfeld der Aufständischen betreffen als die Gesuchten.

• Gekaufte Söldner, von der Firma Xe-Services (Nachfolgefirma von Blackwater) kämpfen für die USA.

• Die Zahl der getöteten Zivilpersonen in Afghanistan wurde für 2009 von der UNO mit 2.412 angegeben.

• Dramatische geografische Ausweitung des Krieges auf Pakistan. Der Krieg löste einen Bürgerkrieg in Pakistan aus. 2009 wurden dort mehr als 12.000 Menschen getötet.

• Von Stabilisierung keine Rede. Im Gegenteil: Ausweitung der Anschläge!

Von 2003 bis 2009 verhundertfachten sich die Anschläge mit Sprengfallen

• Das Leben der Frauen, um dessen Verbesserung es ja angeblich ja nach wie vor geht, verschlechterte sich. Internationale Soldaten sind nicht nach Afghanistan geschickt worden, um Frauenrechte zu schützen. Gekämpft wird nicht wegen ihnen – und auch nicht für sie. Im Gegenteil: Ihr Leben und Überleben sind zunehmend bedroht.

 

Ø Wir fordern:
Sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, nicht erst in vier Jahren!

Ø Keine Ausweitung der Einsätze!

Ø Kein Geld für kriegerische, sondern allein für zivile Anliegen – nach Maßgabe der Bevölkerung

Setzt Euch mit uns ein: für eine gerechte Welt! Für eine Welt ohne Krieg!

Brunhild Müller-Reiß

 

 

 

Der Krieg der Schwestern:Die neue Menschlichkeit des Militärs?

*** Veranstaltung am12.01 muss leider ausfallen. Neuer Termin wird rechtzeitg bekannt gegeben ****

Veranstaltungsreihe mit den folgenden Veranstaltungen:

(altes Jahr 2010)
Mittwoch, 10.11.2010: „Kriegsursache Männlichkeit“ mit Andreas Heilmann (Institut für Sozialwissenschaften der HU Berlin)
Freitag, 26.11.2010: „Gender trouble in der Bundeswehr“ mit Dr. Cordula Dittmer (Zentrum für Konfliktforschung, Universität Marburg)

Januar 2011
Mittwoch, 12.01.2011: „Sexuelle Gewalt in militärischen Konflikten. Männer und Frauen als Täter / Täterinnen und Opfer“ mit Dr. Regina Mühlhäuser

Veranstaltungsort jeweils: Pavillon (Hannover, Lister Meile 4)
Beginn jeweils: 19.00 Uhr

Infos zu den einzelnen Veranstaltungen:

Das Militär galt lange Zeit als eine Bastion „der Männlichkeit“. Fanden sich in Armeen meist Menschen unterschiedlicher ökonomischer Situation und verschiedener Überzeugungen, so war ihnen doch eines gemeinsam: Sie gehörten dem männlichen Geschlecht an. Die Uniformität in Kleidung und Verhalten, die Befehlsgebundenheit sowie die Gemeinsamkeit in männlicher Sozialisation erzeugten nach außen ein Bild von durch Härte, Disziplin und Gehorsam geprägter „militärischer Männlichkeit“; gleichzeitig ermöglichten sie im Inneren Freiräume, auch für Gefühle.
Seit einigen Jahren dürfen in der Bundesrepublik Deutschland nun auch Frauen in die Bundeswehr; Lesben und Schwule dürfen auf Grund ihrer Homosexualität nicht mehr diskriminiert werden. Damit trägt die Bundeswehr – scheinbar – der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung, in der Individualität deutlicher hervortritt (und in der die Gleichberechtigung von Frau und Mann langsam, aber immerhin, vorankommt). Diese Tendenz könnte durch das Aussetzen der Wehrpflicht verstärkt werden: Die Bundeswehr muss sich nun als „attraktive Arbeitgeberin“ präsentieren, die ihren „Angestellten“ eine Perspektive bietet.
Gleichzeitig ist eine tolerante und emanzipierte Außenwirkung der Bundeswehr, mit Frauen und Homosexuellen in den eigenen Reihen, aktuell durchaus auch für eine äußere Repräsentation relevant. So werden derzeit insbesondere Frauen- und Homosexuellenrechte als wichtige Gründe angeführt, mit denen das militärische Eingreifen in Afghanistan vor der eigenen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit gerechtfertigt wird. Nur „hinten rum“ und in „Versprechern“ wird dabei offenbar, worum es wirklich geht: um Einflusssphären und um die Sicherung deutscher ökonomischer Interessen.
Emanzipation und Toleranz werden also bedeutsam – sie prägen die Außendarstellung der BRD und zunehmend die Umgestaltung der Bundeswehr. In der Veranstaltungsreihe „Der Krieg der Schwestern: Die neue Menschlichkeit des Militärs?“ werfen wir einen Blick auf die Verwicklungen von Militär und Geschlecht, und die Wandlungen, die sich mit der Öffnung des Militärs für Frauen, Lesben und Schwule ergeben. Wie stellen sich nun Männlichkeiten und Weiblichkeiten im Militär dar? In drei Veranstaltungen nähern wir uns – aus verschiedenen Richtungen – diesen Fragen an:

Am 10.11.2010 (Mittwoch) wendet sich Andreas Heilmann (Institut für Sozialwissenschaften der HU Berlin) der „Kriegsursache Männlichkeit“ zu. Er erläutert „hegemoniale Männlichkeit“, Machtbeziehungen zwischen verschiedenen Formen von Männlichkeit und ihre Abgrenzung und etablierte kulturelle Dominanz gegenüber Weiblichkeiten. Heilmann führt aus, dass und wie das Militär bestimmten Männlichkeitsformen spezifische und gewaltförmige Artikulationsformen anbietet. Er stellt zur Diskussion, dass eine derzeitige „Krise der Männlichkeit“ einerseits auf eine Flexibilisierung herkömmlicher Männlichkeitsnormen verweist. Sie werden dadurch stabilisiert, – hierzu zählt u.a. die Forderung „Schwule zum Militär!“. Andererseits deutet sie auf eine radikale Infragestellung des hegemonialen Musters männlicher Dominanz hin, – dies u.a. durch das Aussetzen der Wehrpflicht und durch Männer in der Pflegearbeit.

Am 26.11.2010 (Freitag) rückt Dr. Cordula Dittmer  (Zentrum für Konfliktforschung, Universität Marburg), in der Veranstaltung „Gender trouble in der Bundeswehr“ das Selbstverständnis und die Identitätskonstruktionen von Soldatinnen und Soldaten in den Blick. Tatsache ist, dass immer weniger junge Männer zu Armeen wollen. Deutlich zeigt sich das in den USA und in der Bundesrepublik Deutschland. Kann die Öffnung des Militärs für Frauen, für Lesben und Schwule als eine Antwort darauf verstanden werden? Überlagert das  „soldatische Selbstverständnis“ geschlechter- und sexualitätsübergreifend die Identitätskonzepte „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ und führt zur Stabilisierung des Militärs? Und kommen damit gefestigte Geschlechterbilder ins Wanken?

Im Januar 2011 – am 12.1. (Mittwoch) – schließt Dr. Regina Mühlhäuser die Veranstaltungsreihe ab. Mit dem Thema „Sexuelle Gewalt in militärischen Konflikten. Männer und Frauen als Täter / Täterinnen und Opfer“ rückt sie dabei den zentralen Punkt in den Blick, der untrennbar mit Fragen um Geschlecht und Militär verbunden scheint. Es wird die sexualisierte, vielmehr sexuelle Gewalt in Konflikten gegenüber Frauen, Männern und Kindern thematisiert. Es werden Fragen nach den Opfern gestellt, – und es werden insbesondere die Täter und Täterinnen genau anvisiert: Wieso kommt es in militärischen Konflikten zu zahllosen sexuellen Übergriffen gegenüber der Zivilbevölkerung und gegnerischen Soldatinnen und Soldaten? Hängt dies mit soldatischen Identitäten zusammen, mit Machtbeweisen oder eigener Überforderung mit der gesehenen Gewalt? Ergeben sich hier möglicherweise Änderungen durch die Aufnahme von Frauen in Armeen, – und wenn ja, wie sehen diese aus?

Die Veranstaltungsreihe wird veranstaltet von Friedensbüro Hannover e.V. und DFG-VK Hannover, in Kooperation mit Stiftung Leben und Umwelt – Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen und Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen.

Wir laden alle Interessierten sehr herzlich zu den Veranstaltungen ein! Es wird im Anschluss an die einführenden Vorträge jeweils genügend Raum für Diskussionen zur Verfügung stehen.

 

AKW-Proteste und Antiatomwaffenbewegung und Ostermarsch – auch in Hannover

Aus Anlass der gegenwärtigen Anti-AKW-Proteste findet sich hier ein Überblick über Friedensproteste seit den 1950er Jahren – auch in Hannover.

Die Anti-Atomwaffen-Bewegung seit den späten 50ern wandte sich entschieden gegen Atomwaffen in bundesdeutscher Hand – ebenso wie gegen die Remilitarisierung.

Allerdings glaubten die Protestierenden, unter ihnen namhafte AtomforscherInnen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ausdrücklich gegen Atomwaffen – die ‚friedliche‘ Nutzung der Atomkräfte war ihnen damals ein ausgesprochenes Anliegen: „Atoms for Peace.“ Max Born sagte, das Atom enthalte die strahlende Hoffnung auf ein Paradies auf Erden! Heute geht es darum, gegen die „strahlende Zukunft“ jeglicher Atomnutzung zu kämpfen! Deshalb müssen die Anti-AKW-Proteste und die Anti-Atomwaffenbewegung zusammen arbeiten.

Ø 50er Jahre – ‚Ohne-Mich‘-Bewegung
– Sie richtete sich gegen die Wiederbewaffnung der BRD.
– Wichtigstes politisches Mittel war die Androhung eigener Militärdienstverweigerung.
– Ab 1951 fand eine stärkere Koordinierung statt.
– Es handelte sich z. T. um die Artikulation eigener Ängste. Dies erfolgte teilweise diffus und nur begrenzt politisch. Gleichzeitig bedeutete ein Anknüpfen und Weitertragen der Grundsatzparole nach 1945: ‚Nie wieder Krieg!‘.
– Die Bewegung wurde von SPD u. KPD kritisch gesehen:
In der SPD vergrößerte sich allmählich die Tendenz zur Verteidigungsbereitschaft.
Die KPD: führte den Kampf zur Durchführung einer Volksbefragung. Die ‚Ohne Mich-Bewegung wurde z. T. . als nicht hinreichend ‚politisch‘ gesehen‘
– Mit dem Nato-Beitritt der BRD 1954 endete die 1. Bewegung gegen Remilitarisierung.

 

 

Ø Ab 1957: Protest gegen Atomwaffen
‚Erklärung der Göttinger 18‘
18 Atomwissenschaftler und bekannte Persönlichkeiten erklärten 1957, sie seien nicht bereit, sich an Herstellung, Erprobung und Einsatz von Atomwaffen in irgendeiner Weise zu beteiligen (u. a. Günter Anders, Bloch, Jaspers, Max Born)
Allerdings: ‚Atoms for Peace‘! Max Born sagte, Atom enthalte die strahlende Hoffnung auf ein Paradies auf Erden‘! Angesichts der heutige Auseinandersetzung um die offizielle Atompolitik und entsprechenden Parolen zu Atomkraftwerken eine Realsatire!: Ausgestrahlt! Atomwaffenkritisch – aber eben auch zukunftsgläubig!

 

Ø Kampf dem Atomtod-Bewegung – 1957 – 1959:
– Die Einführung der BW erfolgte 1955 gegen einen breiten Bevölkerungsprotest .
– Die Bewegung ‚Kampf dem Atomtod‘ wurde getragen von SPD, Gewerkschaften, Teilen der ev. Kirche: sie richtete sich gegen eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr.
-Im Febr. 1958 ergab eine Emnid-Umfrage: 83 % der Bevölkerung lehnt Atomraketen ab.
– März 1958 wird die Atomare Bewaffnung der BW im Bundestag beschlossen.
> Ein Protest, von einer Bevölkerungsmehrheit getragen, wird durch das Parlament missachtet – wie auch schon bei der Einführung der Bundeswehr.
– Es folgt die Einbeziehung der BW in das Atomkriegskonzept der Nato und es entsteht das, was vielfach die APO (Außerparlamentarische Bewegung der 50er Jahre genannt wird:- Aktionsformen sind: Schweigemärsche, Protestkundgebungen, Arbeitsniederlegungen etc..
Der junge Helmut Schmidt forderte damals einen Demonstrationsstreik der Gewerkschaften. Zahlenmäßig vergleichbar war die Bewegung der späteren APO, aber sie stellte gleichzeitig einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung dar.
Die geplante Hamburger Volksbefragung wurde 1958 vom BVG gekippt: Begründung: Landesverteidigung ist nicht Ländersache.
Das Godesberger Programm der SPD stellte 1959 eine weitere Abkehr der SPD von ursprünglichen Nachkriegspositionen dar:
– Orientierung auf Große Koalition
– Ende marxistischer Vorstellungen: ‚Volksparteikonzept
– Unterstützung BW
in der Präambel fand sich die Forderung nach ausdrückliche Nutzung von. Atomenergie.

 

Ø Ostermarschbewegung ab 1960:
– Es handelte sich um eine von Parteien unabhängige ethisch-pazifistische Bewegung –
– entsprechend dem britischen Vorbild: 1958 -Campaign for Nuclear Disarmament‘: Marsch von London zum Raketenforschungszentrum in Aldermaston und zurück
-1960 1. Ostermarsch in der BRD v. Hamburg, Bremen, Hannover u. Braunschweig zum Raketenübungsplatz Bergen-Hohne in der Lüneburger Heide. Es war ein kleiner Marsch – aber die InitiatorInnen, u. a. Helga und Konrad Tempel, waren überglücklich.
-Mit der Entwicklung zur ‘Kampagne für Demokratie und Abrüstung‘ (1968) wurde die Bewegung politischer – ein Dauergremium zur Durchführung von Aktionen wurde geschaffen. Die Bewegung bekam die Ausmaße einer Massenbewegung mit einem – gesellschaftskritischen Impetus.
– In den 70er Jahren flaute die Ostermarschbewegung ab.
Die Gründe dafür waren u. a.:
– . Entspannung zwischen Ost-und West – die Blockkonfrontation wurde nicht mehr als so bedrohlich empfunden und ein entsprechendes innenpolitisches Klima stellte sich ein.
-Dazu trug nicht zuletzt die ‚Neue Ost-Politik von Willi Brandt bei.
– > Das Kriegsrisiko wurde für gering gehalten.
Aber mit der Bedrohung durch den Bau der Neutronenbombe wuchs Mitte der 70er Jahre das Engagement wieder.

 

Ø 1980: Gründung der Organisation der: ÄrztInnen für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW)

– 1982 wurde die bundesdeutsche Sektion der IPPBW mit der Verkündung der ‚Frankfurter Erklärung‘ (Ablehnung kriegsmedizinischer Vorbereitungsmaßnahmen – keine Beteiligung daran) gegründet.

– Initiativen in den USA gab es seit 1962

– Die IPPNW bekam den Unesco Friedenspreis 1984 und

– den Friedensnobelpreis 1985: eindeutig angemessener als Barak Obama.

– 1986 fand in Köln der ‚Weltkongress der IPPNW statt: Hauptziel: Atomwaffenteststopps

– Erfolge der IPPNW:
1996: A-Waffen-Test-Stopp-Abkommen wird abgeschlossen.
Das Urteil des Internationalen Gerichtshofes wird verkündet: Völkerrechtswidrigkeit von Atom-Waffen
Im Ottawa-Vertrag wurde das Verbot von Landminen beschlossen

– Initiativen: IPPNW – IALANA (International Association of Lawyers Against Nuclear Arms‘)- Bedeutung.
– Weltweites Netzwerk
– Viel Fachverstand: Professionelle und engagierte Arbeit
– angesehen und bei wichtigen Konferenzen (z. B. NY) dabei
– aber: sehr institutionalisiert, wenig Ortsnähe, feste Strukturen, z. T. abgehoben, was aber immer wieder in der Zusammenarbeit zu örtlichen Initiativen durchbrochen wird.

 

Ø > ‚Atomwaffenfrei bis 2020
– ‚Atomwaffen abschaffen – bei uns anfangen‘ ‚Abolishon 2000‘
– Das Zieldieser Initiative war: Abschaffung aller Atomwaffen weltweit – auch IPPNW.
– Unterstützung fand die Aktion durch weltweit 2000 Organisationen
– Sie stellte den Versuch dar, sich lokal zu verankern und konkret zu arbeiten: Heidelberger SchülerInnen hatten die Idee, eine Friedensmauer zu errichten. Dazu auch Aktionen in Hannover im Rahmen des Friedensbüro und des Agenda-21-Büros statt: Eine ‚Mauer‘ aus Holzklötzen wurde nach Hiroshima gebracht – auf die Holzklötzchen hatten Menschen ihre Botschaft gegen Atomwaffen geschrieben oder gemalt.

Ø Friedensbewegung – Ostermarschbewegung – Anti-Atomwaffenbewegung in Hannover
(Hier finden sich nur 1. Ansätze einer Aufarbeitung – muss vertieft werden)
– Bis 1979 gab es in Hannover zwei Bündnisse
– 1. Komitee Friedenswoche (christliche Gruppen)
– 2. IFAZ (Initiative für Abrüstung u. Zusammenarbeit) (Organisationsbündnis)

– 1. Friedenswoche
Sie wurde gegründet v. Wolfgang Raupach, Pastor Markt – und Kreuzkirche. Es handelte sich um ökumenische Friedensarbeit > Die Friedenswoche war Teil eines Modells landesweiter ökumenischer Friedensarbeit.
-Das Ziel war: einmal im Jahr rückblickend die eigene Arbeit zu beurteilen, grundsätzliche Fragen von Krieg und Militär in die Öffentlichkeit zu tragen und friedenspolitische Perspektiven zu entwickeln.
1977 entstand daraus: ‚Komitee Friedenswoche‘
1978 : 1. Friedenswoche
1980: 2. Friedenswoche

2. IFAZ – auf Bundesebene: KOFAZ (Kooperation für Abrüstung und Zusammenarbeit):
– Es handelte sich um den Versuch der Vernetzung von Organisationen und Personen.
– In den Jahren 1977/78 stand die Problematik der Neutronenbombenentwicklung im Vordergrund.
– ab 1982ging von der IFAZ die Koordination der Hannoverschen Ostermarschaktionen aus.–
– Es folgte die Gründung der ‚Friedensversammlung‘ in Hannover
Zwischen ‚Friedenswoche‘ und IFAZ ‚Arbeitsteilung‘
IFAZ – eher traditionell – auf Höhepunkt der Friedensbewegung: Initiierung und Unterstützung stadtteil- bzw. berufsbezogener Friedensinitiativen: Verbindung überregional und stadtteilbezogen.
Das ‚Komitee Friedenswoche‘: veranstaltete eine Friedenswoche im November in regelmäßigen Abständen und organisierte kleinere Veranstaltungen im Jahr

Ø 1981: Gründung ‚Friedensbüro‘ im Haus der Jugend
Dem Trägerkreisgehörten an: ‚Friedenswoche; IFAZ; DGB; Landesjugendring, Amnesty International Hannover, Parteien und andere Organisationen.
Das Ziel des Zusammenschlusses war: Vereinheitlichung und Intensivierung der Friedensarbeit
1981: Friedensbüro diente als Stützpunkt zur Koordination des Kirchentages in Hannover.

 

Ø Mai 1983: Unterzeichnung der Städtepartnerschaft Hiroshima – Hannover

-Eine 15jährige Verbindung wird vertraglich festgelegt.
– Aus Anlass der Unterzeichnung fand auf dem Trammplatz eine große Kundgebung statt, zu der alle Ratsfraktionen aufgerufen hatten.
– ‚Programm zur Abschaffung aller Atomwaffen‘ – Stadt tritt 83 bei.

 

Ø ‚Friedensversammlung‘ nach 1983
– Sie entstand in der Aktionswoche im Herbst 1983
-Sie rief auf zu Blockadeaktionen in Bremerhaven auf,
– organisierte drei Sonderzüge zur Hamburger Volksversammlung
– und rief u. a. zur Blockade der Bothfelder Kaserne auf.

-Das Thema des Internationalen Frauentags – organisiert von einem breiten‘ Frauenbündnis 8. März‘ (83?) rief gegen Militarismus und Krieg auf.
Im Herbst 1983 –( November) erfolgte die Zustimmung zu Mittelstreckenraketen im Bundestag.
Erneut stellt sich hier das Parlament in seinen Beschlüssen gegen eine Massenbewegung .
Ab 1984 finden wir das Auslaufen der friedenspolitischen Aktivitäten – in Hannover und anderswo.

 

Ø 1984: Entstehung des Hiroshima-Bündnisses als Zusammenschluss Hannoverscher Friedensgruppen und –initiativen
Dieses Bündnis wurde gegründet als Mahnung an die Atombomben in Hiroshima und Nagasaki; es knüpfte an die Städtepartnerschaft zwischen Hiroshima und Hannover an und arbeitete schwerpunktmäßig gegen die atomare Aufrüstung
– Im Laufe der Jahrzehnte ist es sehr geschrumpft, aber noch existierend und an Aktivitäten zum Hiroshimatag (6. August) und zu Atomwaffenfragen aktiv.

 

In diesem Überblick sind nicht die antimilitaristischen, autonomen, nicht zur ‚Friedensbewegung‘ im engeren Sinne gehörenden Strömungen und Gruppen berücksichtigt.
Es wäre interessant – vor allem für uns in Hannover – einmal einen Gesamtüberblick zu erarbeiten. Aktivitäten und Angebote dazu sind gerne gesehen.

Brunhild Müller-Reiß

 

 

Bundeswehr sagt Adventskonzert in Neustädter Kirche ab (1.9.2010)

Pünktlich am 1. September 2010 erfuhren die LeserInnen der Hannovschein Zeitungen: “Bundeswehr sagt Adventskonzert wegen Einsatz ab.” (HAZ)

Wenn das keine gute Nachricht am Antikriegstag ist!

Allerdings wird die Absage militärorganisatorisch begründet: Der Stab der 1. Panzerdivision, der auch das Adventskonzert organisiere, sei mit den Vorbereitungen der Auslandseinsaätze im kommenden Jahr zu sehr beschäftigt. Dies mag so sein. Allerdings erscheint die Begründung für uns höchstens die halbe Wahrheit zu sein: bedarf ein bereits mehrfach durchgeführtes Konzert tatsächlich einer solch intensiven Organisation. Vielmehr glauben die OrganisatorInnen des Friedenskonzerts vor der Neustädter Kirche, dass ihr geplanter “singender Protest” vor der Kirche die Entscheidung mindestens mitbeeinflusst hat und somit im Vorfeld bereits ein Erfolg war.

Allerdings wissen wir, dass die Streichung des Konzerts in diesem Jahr nur ein Ausweichen ist: Im Zeitungsartikel heißt es auch, dass “im kommenden Jahr besonders viele der insgesamt 21000 Soldaten der 1. Panzerdivision in den Einsatz gehen”. Und Oberstleutnant Poloczek: “Nach unseren Vorstellungen findet die Veranstaltung im nächsten Jahr wieder wie gewohnt statt.”

D. h. Es ist und bleibt Krieg! Entrüstet Euch!

Wir begrüßen die Absage des Konzerts! Um aber aus dieser einmaligen Absage eine dauerhafte zu machen und um weiterhin gegen deutsche Einsätze in weltweiten Kriegen zu demonstrieren,
findet unser Konzert statt!

(Brunhild Müller-Reiß)

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