PM: Diskussion zum Deserteursdenkmal muss offen und öffentlich geführt werden

Pressemitteilung – mit der Bitte um Veröffentlichung:

Zum heute in den Kulturausschuss der Stadt Hannover eingebrachten Vorschlag für ein Deserteursdenkmal erklärt Ralf Buchterkirchen für die Initiative für ein Deserteursdenkmal Hannover:

Mit Überraschung haben wir Kenntnis vom kurzfristig eingebrachten Vorschlag der Verwaltung erhalten, ein Werk des verstorbenen Künstlers Hans-Jürgen Breuste aufzukaufen, dies zum Deserteursdenkmal umzuwidmen und auf dem Fössefeldfriedhof aufzustellen. Mit diesem Vorschlag verspielt die Stadt Hannover leichtfertig die Chance zur öffentlichen Auseinandersetzung mit Desertion. Das Gedenken wird still und leise aus dem öffentlichen Stadtbild gedrängt. Nichtkünstlerisch Aktive, insbesondere aus der sich seit Jahren mit dem Deserteursthema in Hannover beschäftigenden Friedensbewegung, wurden in die Diskussion um Ort und Form des Denkmals nicht einbezogen.

Der Vorschlag der Verwaltung wurde auf der Kulturausschusssitzung vom 21.09.2012 zur Beratung an die Fraktionen im Stadtparlament weitergegeben.

Wir halten den Fössefeldfriedhof aufgrund seiner Lage und der einschränkenden Wirkung – als reiner Ort der Trauer – für ein solches Denkmal für ungeeignet. (Ungeachtet dessen ist selbstverständlich auch auf dem Fössefeld eine geeignete Hinweistafel mit Namen zum Gedenken und Trauer nötig.) Die Stadt Hannover benötigt vielmehr einen zentralen öffentlichen Raum zur Auseinandersetzung, zur politischen Debatte um Desertion. Wir fordern Stadtparlament und Verwaltung auf, die mit der Überweisung in die Fraktionen gegebene Pause zu nutzen, um eine ernsthafte, ergebnisoffene und öffentliche Debatte mit allen Interessierten zu eröffnen.

Beispiele wie Köln und Hamburg zeigen, dass nur ein solches offenes und öffentliches Vorgehen, zu einer ehrlichen und produktiven Auseinandersetzung führen.

 

Für Nachfragen stehe ich Ihnen unter 0177/4592848 oder per E-Mail rbu@deserteure-hannover.de gern zur Verfügung.

 

Im Auftrag der Initiative für ein Deserteursdenkmal Hannover

 

Ralf Buchterkirchen

Diskussionsbeitrag Deserteursdenkmal: Sitzung Kulturausschuss am 21.09.2012 – Beitrag zur Einwohnerfragestunde

 dokumentiert – ein Redebeitrag von Ralf Buchterkirchen im Rahmen der BürgerInnenfragestunde des Kulturausschusses der Stadt Hannover

(die Verwaltung hatte den Antrag gestellt, eine Breuste-Statue aufzukaufen, diese umzuwidmen und auf dem Fössefeldfriedhof abzustellen – der Vorschlag wurde 2 Tage vor der Sitzung bekannt gegeben- der Ausschuss hat sich für eine Beratung in den Fraktionen entschieden (Antrag der CDU))

Ich möchte aus Sicht der Opfer und dem Umgang mit Ihnen zum Vorschlag der Verwaltung für ein Deserteursdenkmal etwas sagen. Ich habe mich mehrere Jahre mit Desertion, Wehrkraftzersetzung und „Kriegsverrat“ von Soldaten in und aus Hannover beschäftigt. Mit dieser hier vorgeschlagenen Hauruck-Entscheidung werden meines Erachtens die Opfer der NS-Militärjustiz ein zweites Mal still und unauffällig begraben. Ein unangenehmes Thema wird – abgeschoben an den Stadtrand – der städtischen Debatte, der Auseinandersetzung entzogen. Wenn wir über Desertion reden, geht es nicht nur um die Willkür und brutale Aktivität der NS-Schergen, sondern es geht vor allem darum, dass Menschen sich entschieden haben – aus was für Gründen auch immer – sich der militärischen Logik zu entziehen, sich dem faschistischen Angriffsfeldzug zu entziehen. Diese Gründe waren selten politisch, vielmehr häufiger persönlich – der individuelle Wunsch zu  überleben, wie es Alfred Andersch beschreibt. Was Ihnen jedoch allen gemein war – sie wussten, was sie erwartet, wenn sie gefasst werden. Es geht nicht um abstrakte Zahlen, es geht um menschliche Schicksale. Mit ihrer Entscheidung verhindern sie jedoch die Auseinandersetzung mit genau diesen Gründen und de entgegenstehenden Repression. Gerade eine öffentliche Debatte um Form und Ort stellt eine Möglichkeit dar, mit der eigenen Geschichte kritisch umzugehen. Mit einer stillschweigenden Beschlussfassung und Aufstellung wird diese zivilgesellschaftlich notwendige Debatte nicht geführt werden. Der Umgang mit der Geschichte der Wehrmachtsdeserteure in Köln und Hamburg zeigen, wie es auch funktionieren könnte. Breite Diskussionsprozesse und Auseinandersetzungen helfen dort, Geschichte neu zu interpretieren, altbekanntes zu hinterfragen und damit zu einer differenzierten anerkannten Würdigung zu kommen. Die Nichteinbeziehung derer, die sich mit der Materie beschäftigen kommt erschwerend hinzu.

Unabhängig davon, ob sich die Stadt solch eine Ausschreibung leisten kann und will. Nicht offen darüber einen Dialog zu suchen und eine Vorlage zwei Tage vor Sitzungsbeginn einzureichen, genügt weder demokratischen Prinzipien noch erwartbarer Mitbestimmung, insbesondere, da der vorliegende Entwurf zentralen Punkten des Kulturausschusses vom Februar diametral widerspricht.

Wir fordern Sie auf, diesen Tagesordnungspunkt auf eine spätere Sitzung zu verschieben, endlich die öffentliche Debatte zum Thema zu suchen und so zu auch langfristig akzeptierten Lösungen zu kommen. Alle am Thema Interessierten sind einzubeziehen. Die Opfer der NS-Militärjustiz haben diesen Respekt verdient.

Stellungnahme Friedensbüros zur Berichterstattung zu den Brandanschlägen auf Bundeswehrfahrzeuge –

Das Friedensbüro e. V. nimmt zu den Veröffentlichungen in der HAZ v. 7. Juni, 8. und 9. Juni…. folgendermaßen Stellung:
‚Die Hannoversche Allgemeine Zeitung macht mit ihrer Berichterstattung zu den Brandanschlägen vom 6. Juni 2012 eindeutig Stimmung gegen die Aktivitäten des ‚Antimilitaristischen Aktionskreises‘, der Protestaktionen gegen das ‚Sommerbiwak‘ der 1. Panzerdivision organisiert. Das Friedensbüro ist Teil dieses Bündnisses und wird als solches die entsprechenden Aktivitäten weiter fortsetzen. Wir erwarten, dass wir nach dem, was wir tun und veröffentlichen beurteilt werden und nach nichts sonst.
Stellungnahmen werden nur nach vorheriger Diskussion im Vorstand oder im Kreis der Aktiven abgegeben. Persönliche Stellungnahmen von Mitgliedern sind unbenommen, geben aber eben nur die persönliche Meinung dieser Personen wieder.
Wir bitten die Mitglieder der Redaktion, diese Vorgehensweise zu akzeptieren und wiederholte persönliche Nachfragen zu unterlassen.
Der Vorstand ‚Friedensbüro Hannover e. V.‘

Bettina Frihi       Agnes Hasenjäger          Margarete Müller           Brunhild Müller-Reiß

Rede Deserteursgedenken – Emmich-Cambrai-Kaserne – 15. 5. 2012

Gedenkkundgebung vor der Emmich-Cambrai-Kaserne

Wir stehen hier, um der Deserteure, die auf dem Schießplatz der Emmich-Cambrai-Kaserne im 2. Weltkrieg erschossen worden sind, zu gedenken. Sie wurden hingerichtet, weil sie sich dem Zwang zu töten oder getötet zu werden, widersetzten. Wir tun dies am ‚Internationalen Tag der Kriegsdienstvverweigerung‘, weil Desertion, Verweigerung ein zentraler Teil der Beendigung von Kriegen in aller Welt ist.

Unsere Aktion sollte eigentlich auf dem Gebiet der Kaserne stattfinden, weil wir wollten, dass den Deserteuren dort gedacht werden sollte, wo sie hingerichtet wurden. Wir wissen, dass ein Gedenken an Orten des Verbrechens, diese besonders eindringlich und nachhaltig ‚vor Augen führt‘. » Weiterlesen

PM: Gedenken an Deserteure am 15. Mai – für eine offene Erinnerungskultur

Herr Katz hat nun doch ein Haar in der Suppe gefunden: Nachdem er nicht mehr widersprechen kann, dass Deserteure im Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände der Emmich-Cambrai-Kaserne erschossen worden waren, weist er die Nachfrage nach einem Gedenken nun mit Hinweis auf das „politische“ Datum zurück.

Ein Gedenken an Deserteure des Zweiten Weltkriegs am 15. Mai, dem „Internationalem Tag des Kriegsdienstverweigerers“, ist tatsächlich in einem Sinne politisch, dass wir derjenigen Menschen auf dem Gelände der Emmich-Cambrai-Kaserne gedenken wollen, die sich aus ganz individuellen Motiven der militärische Logik der Wehrmacht widersetzten. Nachdem im Jahr 2009 vom Bundestag auch die letzten von der Militärjustiz Verurteilten rehabilitiert wurden, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass den Opfern der NS-Militärjustiz nun auch in dem Sinne Gerechtigkeit widerfährt, dass ihrer gedacht werden darf. Das muss gerade an dem Ort möglich sein, an dem sie hingerichtet wurden. » Weiterlesen

‚Ich sage wer Antisemit ist‘ v. Moshe Zuckermann

10.04.201241 Kommentare- Debatte Günter Grass TAz, 10. 4. 2012 taz von Moshe Zuckermann‚Wer Antisemit ist, bestimme ich‘.Kaum ein Begriff wird in Deutschland derart inflationär und verantwortungslos verwendet wie der des Antisemitismus. Das aber schadet dessen Bekämpfung.
Wer Antisemitismus bekämpfen will, sollte die rote Karte nicht inflationär einsetzen.
Über den Inhalt von Günter Grass’ Gedicht „Was gesagt werden muss“ ist inzwischen genug gesagt worden. Es lohnt sich nicht, dem Gesagten etwas hinzuzufügen. Das Gesagte hat die Divergenzen in Gesinnung und Ideologie deutlich genug aufgefächert; Bahnbrechendes ist nicht mehr zu erwarten. Umso mehr gilt es, den öffentlichen Sturm, den das Poem entfacht hat, anzuvisieren und zu reflektieren. » Weiterlesen

Kulturausschuss der Stadt beschließt Deserteursdenkmal

Laut Hannoverscher Allgemeiner Zeitung hat der am 20.01.2012 tagende Kulturausschuss der Stadt Hannover mit rot/grüner Mehrheit beschlossen, ein Denkmal für den unbekannten Deserteur zu initiieren. Die Ausschussmehrheit fordert die Auslobung eines Denkmals als Teil des Konzeptes zur Gedenk- und Erinnerungskultur. Eine angemessene Gestaltung und eine örtliche Positionierung wurde im Antrag ebenso gefordert. Wir freuen uns, dass die Stadt endlich ihrer historischen Verpflichtung nachkommen will und Deserteuren angemessen gedenken will. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass das Gedenken weiterhin zentral und öffentlich stattfinden kann. Alle mit der Errichtung eines Deserteursdenkmals zusammenhängenden Fragen sollten Teil eines öffentlichen Diskussionsprozesses sein. Als Friedensbüro und DFG-VK bieten wir an, die notwendige Debatte zu begleiten und zu befördern.

Nachwuchsprobleme der Bundeswehr – und die militär-politische Antwort: Militarisierung des Zivilen

eine Rezension von Heinz-Jürgen Voß (Erstveröffentlichung auf kritisch-lesen.de)

An der Heimatfront

Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr

Der freiberufliche Journalist und Autor Michael Schulze von Glaßer, der für seine zahlreichen Beiträge in Tages- und Wochenzeitungen weithin bekannt ist, legt mit diesem Buch eine versierte Ausarbeitung zur Militarisierung des Zivilen vor.

Der Afghanistan-Krieg, Berichte über getötete deutsche Soldaten und über getötete Zivilisten, tragen zu einer auch aktuellen Skepsis in der deutschen Bevölkerung gegenüber dem Militärischen bei (die historischen kriegerischen Erfahrungen stützen diese Perspektive). Diese Skepsis hält sich dauerhaft, wie Schulze von Glaßer anhand soziologischer Erhebungen – externer wissenschaftlicher und solcher des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr – herausarbeitet. Selbst dem Geheimdienst der USA, dem CIA, ist dies bewusst geworden, so dass in Geheimdokumenten des CIA – die auf der „Enthüllungsplattform“ Wikileaks veröffentlicht wurden – Möglichkeiten eruiert wurden, wie die Akzeptanz für den Krieg in der Bevölkerung in Deutschland (und in Frankreich) gestärkt werden könnte (S. 28). Unterdessen sind das keineswegs die einzigen Probleme, die das Erscheinungsbild der Bundeswehr in der Bevölkerung beeinträchtigen: „Die Misshandlung von Grundwehrdienstleistenden durch höherrangige Soldaten, rechtsextremistische sowie frauenfeindliche Übergriffe sind nur einige der Skandale, über die öfters in den Medien zu lesen ist“ (S. 28) und die die Stimmung in der Bevölkerung prägen.

 

So ergab eine Umfrage aus dem Jahr 2007, dass sich lediglich 25 Prozent der jungen Männer vorstellen konnten, eine gewisse Zeit lang als Soldat oder ziviler Mitarbeiter bei der Bundeswehr tätig zu sein, 27 Prozent meinten „vielleicht“, die übrigen 48 Prozent konnten sich dies überhaupt nicht vorstellen (S. 15). Besonders deutlich ist die Ablehnung bei den Abiturienten und Abiturientinnen – und das obwohl die Bundeswehr gerade hier, auf Grund kompliziert zu bedienender Waffensysteme, Bedarf hat. Abiturienten strebten zunehmend „nach Idealen wie Selbstentfaltung und Partizipation“, weshalb die militärischen Kategorien „Gehorsam, Pflichtbewusstsein und Unterordnung“ für sie „unattraktiv“ sind (S. 15). Zu diesen Ergebnissen gelangten auch neuere Ergebnisse, die nach dem „Aussetzen“ der Wehrpflicht erhoben wurden. So musste u.a. die Hannoversche Allgemeine Zeitung nach Berichten, dass selbst von denjenigen jungen Leuten, die anfangs zur Bundeswehr gingen, viele schon innerhalb der ersten Wochen aufgehört hatten, festhalten: » Weiterlesen

Die drei Friedensnobelpreisträgerinnen von 2011 – Ein Kommentar

Der folgende Beitrag wurde am 20. 10. auf dem ‚Internationalen Frauensendeplatz‘ von radio flora gesendet. Der ‚Internationale Frauensendeplatz‘ wird von Frauen mit und ohne ‚Migrationshintergrund‘ gestaltet .- Er ist in jeder Hinsicht international: inhaltlich und in Bezug auf die Mitarbeiterinnen.

Jeden 4. Donnerstag im Monat um 19.00 Uhr. Hört mal rein!

Friedensnobelpreis für drei Frauen Erfüllung der ‚Frauenquote‘ oder überzeugende Wahl?

Ein paar Tage rauschte der Medienwald – nun ist es wieder still um die drei Frauen, die den diesjährigen Friedensnobelpreis erhielten. Gleich drei Frauen! Und dann auch noch drei nicht-europäische Frauen! Schwarzafrikanische Frauen! Superlative waren überall angebracht! » Weiterlesen

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